23. August 2017
Weimar

500 Jahre Reformation und 100 Jahre Kommunismus werden in Weimar gewürdigt

Es fand der Kirchentag statt unter dem Motto:„Nun sag, wie hast Du’s mit der Religion?“ Nun läuft das Kunstfest unter dem Motto:„100 Jahre Kommunismus“. Diese zwei gesellschaftlichen Bewegungen, welche den Anspruch hatten die Welt zu verändern, sind leider an der Gier der Menschen gescheitert.

Was haben die Christen und die Kommunisten gemeinsam? In der Bibel bei Lukas heißt es, dass es unter ihnen keine Armen gab, und jedem wurde nach seinen Bedürfnissen gegeben (Apostelgeschichte 4, 34-35). Das ist das gleiche was Marx forderte „die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ein für allemal zu überwinden“. Somit hat der Kommunismus einen humanistischen christlichen Ursprung.

Die Reformation forderte „Eigenverantwortung statt blindem Gehorsam. Gewissen als oberste Instanz“. In der DDR handelte die Kirche danach und war sehr kritisch gegenüber der Staatsführung. Heute ist das eine konservative staatstragende Kirche und somit für Viele kein Vorbild mehr.

Für die wichtigsten sozialen und politischen Probleme des Landes hatte die Zarenherrschaft in Russland auch keine Lösung und war somit Auslöser der Oktoberrevolution 1917. In Russland herrschte unvorstellbare Armut. Nur 21 Prozent der Bevölkerung konnten lesen und schreiben, Russlands Anteil an der industriellen Weltproduktion waren im Jahre 1917 zirka drei Prozent.

Karl Marx schrieb 1864 in den Provisorischen Statuten der Internationalen Arbeiter-Assoziation: „..daß die Emanzipation der Arbeiterklasse nur in moderner Gesellschaft besteht…“. Die Bolschewiki glaubten, dass das Proletariat der westeuropäischen Länder auch dem Sozialismus zum Sieg verhelfen wollte. Aber sie wurden bitter enttäuscht. Dazu Lenin: „Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas. Wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!“. Ein so riesiges und zugleich ökonomisch zurückgebliebenes Land, wie die Russland war, in kürzester Zeit zu modernisieren, war eine Aufgabe, die mit gigantischen Schwierigkeiten verbunden war. Die Bolschewiki war auf sich alleine gestellt.

Das Kunstfest begann mit einer Lesung unter dem Motto: „Völker hört die Signale“, mit anschließender Diskussion. Auch Dr. Gregor Gysi war dabei und ich habe eine kritische Bemerkung zu einer seiner Aussage, sinngemäß, dass den Sozialismus die breite Masse der Bevölkerung nicht mehr mit tragen wollte. Das ist mir zu einfach, denn in erster Linie haben doch die Partei- und Staatsführungen versagt!
Dazu meine Erfahrung zum Jahr 1968 in der CSSR. Meine Familie wohnte im Raum Prag und 1967 sagte mir mein Schulkamerad. Mein Onkel ist ein Kommunist, war deshalb im Konzentration Lager, heute ist er ein Angestellter beim ZK der KPC und ist sehr besorgt. Die Mitglieder des ZK sind nur beim streiten, über die Wirtschaftsreformen, wenn sie diesen Streit in die Gesellschaft rein tragen, bekommen wir erneut den Kapitalismus. Es kam zum „Prager Frühling“ und führender Architekt der Wirtschaftsreformen war Ota Šik, der ein Modell einer „humanen Wirtschaftsdemokratie“ entworfen hatte. Er sagte nach der Wende in einem Interview, niemals tatsächlich eine Reform des Sozialismus zu wollen, sondern vielmehr dessen Abschaffung im Sinn gehabt hat.“
(Nachzulesen, Prager Frühling-WIKIPEDIA)

Der Humanismus des Christentums und der Marxismus sind für mich trotz des Scheiterns ein Vorbild. Es lohnt sich für Ihre Ideen weiter zu kämpfen und vergessen wir dabei nicht die mahnenden Worte von Marx. „Alle Revolutionen haben bisher nur eines bewiesen, nämlich, dass sich vieles ändern lässt, bloß nicht die Menschen.“

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