21. August 2019
Weimar

825 Jahre und kein bisschen älter

Hottelstedt im Weimarer Land feiert Geburtstag

Am 24. August feiert das im Weimarer Land, direkt am Ettersberg, gelegene Hottelstedt sein 825-jähriges Bestehen mit einem Sommerfest im eigenen Dorfpark. Trotz seiner nicht viel mehr als 200 Einwohner, kennt man Hottelstedt im Umland sehr gut. Der dort ansässige Hühnerhof exportiert Eier in die gesamte Republik, Gebäude desselben finden sich an allen Einfahrten. Im Ort leben Alteingesessene ebenso wie Zugezogene. Landwirtschaft, Pferdezucht, ein Gehege mit Rehen und Hirschen und viel Grün machen das Flair des, hauptsächlich aus älteren Gebäuden bestehenden, Ortes aus.
Auf den beiden Angern stehen alte Obstbäume, es gibt einen Kindergarten und einen großen Kinderspielplatz. Das Rufen von weidenden Eseln durchbricht nur allzu oft gefühlt die Schallmauer. Ein wenig kommt man sich vor, als sei die Zeit stehen geblieben. Man trifft sich am Bäckereiwagen oder beim Getränkehändler auf einen Schwatz, verfolgt genau, was im Dorf passiert.
Aber auch die Errungenschaften der Neuzeit machen sich bemerkbar: die alte Dorfkneipe hat schon lange keinen Wirt mehr, wird nur noch selten genutzt. Einen eigenen Pfarrer gibt es in der kleinen Kirche ebenso nicht mehr. Neben der Kirche steht ein Feuerwehrhaus, denn trotz weniger Einwohner hat Hottelstedt eine eigene Freiwillige Feuerwehr mit einem modernen Löschfahrzeug. Jeden ersten Samstag im Monat erinnert der Testlauf der örtlichen Sirene an deren Existenz.
Gestritten wird immer noch, ob es tatsächlich 825 Jahre sind, die das Örtchen mittlerweile auf dem Buckel hat. Im Januar 1194 soll die Geburtsstunde der Ortschaft geschlagen haben, die erste öffentliche Erwähnung wird von anderen auf das Jahr 1322 datiert.
Gesichert ist jedoch, dass Hottelstedt im Jahr 1945 der Ausgangspunkt zur Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald war. Hier sammelten sich die Kampfeinheiten der U.S.-Armee, bevor sie sich zum Ettersberg aufmachten, auf dem sich das Vernichtungslager befand. Gedenktafeln erinnern an dieses Ereignis, aber auch an den Todesmarsch der KZ-Häftlinge, der nur kurz zuvor durch den Ort führte.
Egal, ob nun 825 Jahre, ein paar weniger, ein paar mehr, am 24. August wird gefeiert. Man feiert das Leben, die Gemeinschaft, den Frohsinn. Und lädt alle dazu ein.

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