Das Thüringer Bach Collegium – Alte Musik zu neuen Ufern - meinanzeiger.de
22. Februar 2021
Weimar

Das Thüringer Bach Collegium – Alte Musik zu neuen Ufern

Die dritte CD des Thüringer Bach Collegiums ist jetzt erschienen, mit Werken von Anton Schweitzer

Die Auferstehung Christi – Missa Brevis, Kantate von Anton Schweitzer. Weltpremiere erstmals auf CD

Weimar. Im dritten Jahr seines Bestehens bringt das Thüringer Bach Collegium sein dritte CD heraus. Eine Weltpremiere! Dafür konnten erfahrene und versierte Partner gewonnen werden: Die Plattenfirma Capriccio (Wien) hat die Einspielungen produziert, Deutschlandfunk Kultur das Konzert aufgenommen. Darüber hinaus wird das Thüringer Bach Collegium von Musikwissenschaftlern betreut, z.B. der emeritierten Hochschulprofessorin Prof. Dr. Helen Geyer (Musikwissenschaft) und dem Leiter des Thüringer Landesmusikarchivs, Dr. Christoph Meixner.

Nach langjähriger Restaurierung wurde die Arnstädter Oberkirche für diese Aufnahme erstmals wieder musikalisch genutzt. „Die ehemalige Wirkungsstätte Johann Sebastian Bachs mit ihrer wunderbaren Akustik ist für das Thüringer Bach Collegium quasi ein magischer Ort. Zudem haben wir uns die Oberkirche im Mai unter Coronabedingungen erschlossen, was hieß, dass wir in gebührendem Abstand zueinander musiziert haben.“, erinnert sich der künstlerische Leiter Gernot Süßmuth.

Leben und Werk Anton Schweitzers

Nur wenige Zeugnisse vermitteln uns Näheres über den heute kaum bekannten, einst geschätzten Komponisten. Geboren in Coburg am 6. Juni 1735 verstarb Anton Schweitzer am 23. November 1787 in Gotha, wo er sich nach dem Weimarer Schlossbrand 1774 niedergelassen hatte. Seine Ausbildung erhielt er zunächst als Sänger am musischen Hof des den Künsten eng verbundenen Herzogs Ernst Friedrich III. Carl von Sachsen-Hildburghausen, in dessen Hofkapelle er sich später als Cello- und Violaspieler verdingte. Außerdem lernte Schweitzer in Bayreuth bei Jakob Friedrich Kleinknecht.  1764-1766 trat er ein zweijähriges Stipendium des Herzogs nach Italien an, danach wurde er Kapellmeister in Hildburghausen. Abgesehen von Kirchenmusik komponierte Schweitzer für das Operntheater des Herzogs, das allerdings aus finanziellen Gründen 1769 schließen musste. Daraufhin schloss sich der Komponist der damals sehr bedeutenden Seylerschen Theatertruppe an, die in Weimar verpflichtet wurde und 1774 nach Gotha ging. In Weimar arbeitete er eng mit Wieland zusammen: Herausragend waren u.a. die bemerkenswerte Alceste-Vertonung (1773) und die Oper Rosamunde (1780 in Mannheim aufgeführt, Text: Wieland), die W. A. Mozart sehr aufmerksam wahrgenommen hatte. Während der Gothaer Periode (1774 ff.) schrieb Schweitzer viele Melodramen nach Rousseau‘schem Muster – es waren wohl 46.

Fatalerweise haben sich nur relativ wenige Manuskripte erhalten. Die hier eingespielten Werke (fast die vollständige erhaltene Kirchenmusik) haben sich teils in mehreren Abschriften (Oratorium) erhalten, und diese liegen u.a. in Archiven der Thüringer Fürstenhöfe und in den Notensammlungen der „Adjuvanten“.

Gemeinsam wird das Material in den nächsten Jahren gesichtet, neu verlegt und erstmalig auf CD eingespielt. Die musikalische Schatzhöhle hat bereits eine wunderbare Wiederentdeckung zu Tage gefördert.

Die Stücke, die auf der CD zu hören sind

·       Osterkantate „Die Auferstehung Christi“ Libretto von Fürst Ernst Friedrich Karl von Sachsen-Hildburghausen aus dem Adjuvantenarchiv Kaltensundheim
·       Erntedank-Kantate „Lobet, ihr Knechte den Herren“ aus dem Adjuvantenarchiv Gräfenroda
·       Missa Brevis C-Dur für 4-stimmigen Chor und Orchester aus dem Bestand Poelchau/ Berlin

Das Thüringer Bach Collegium – Alte Musik zu neuen Ufern

Ein neuer Stern am Himmel für Alte Musik geht in Weimar auf. Das Thüringer Bach Collegium spielt Werke von Johann Sebastian Bach, seinen Vorfahren (Altbachisches Archiv), seinen Söhnen und seinen Zeitgenossen in historisch informierter Aufführungspraxis auf alten Instrumenten. Geleitet wird das Ensemble von Gernot Süßmuth, dem Nachfolger Johann Sebastian Bachs als Konzertmeister der Staatskapelle Weimar. Geschäftsführer und Kontrabassist ist Christian Bergmann, der seit 20 Jahren in der Staatskapelle Weimar spielt.

Das Thüringer Bach Collegium für daheim

Die 1. CD „Concerti“ mit Kompositionen von Prinz Johann Ernst IV von Sachsen-Weimar (1696-1715) erscheint im Musikverlag audite und ist im Handel erhältlich und gibt es zudem bei den Konzerten des Thüringer Bach Collegiums. ISBN: 4022143977694.

Die 2. CD „Orchestral Suites“ mit vier Orchestersuiten von Johann Bernhard Bach (1676 – 1749) erscheint ebenfalls bei audite. ISBN: 4022143977700, im Handel oder auf den Konzerten des Thüringer Bach Collegiums.

„… heißblütiges Plädoyer für einen blaublütigen Komponisten…“, Bayern 4 Klassik
„…das Ganze hat eine enorme Vitalität!“, MDR Kultur
„Das Thüringer Bach-Collegium ermöglicht diese erstaunliche wie erfreuliche Entdeckung.“ SZ

Förderverein Thüringer Bach Collegium e. V.

Das Thüringer Bach Collegium finanziert sich in erster Linie aus den Honoraren, die es für Engagements im In- und Ausland erhält. Um jedoch eine professionelle Organisationsstruktur sowie die hohe spielerische Qualität des Orchesters zu erhalten und auch mal Benefiz-Konzerte machen zu können, ist das Orchester auf Spenden angewiesen. Daher ist jeder Beitrag willkommen, ob als Einzelspende oder umfangreicheres Sponsoring.

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