11. März 2021
Weimar

DNT Weimar zeigt »Faust«-Inszenierung von 1965 im Online-Programm

Szenenfoto aus der 1965er Faust I-Inszenierung von Fritz Bennewitz. (Foto: Karl Röser)

Weimar. Wie kaum ein anderer hat Regielegende Fritz Bennewitz die »Faust«-Rezeption in Weimar geprägt: Drei Mal beschäftigte er sich hier mit jeweils beiden Teilen von Goethes Tragödie, stieg mit stets »neuer Neugier ins alte Werk« ein und stellte es »neu in den Wind der Geschichte«. Seine auch überregional vielbeachteten Inszenierungen haben sich ins Gedächtnis der Stadt eingeschrieben, ihre Protagonisten sind unvergessen: Wolfgang Dehler und Fred Diesko im ersten »Faust« von Bennewitz aus dem Jahr 1965, in dem später Manfred Heine die Titelrolle übernahm, wie dann ebenso in der `75er Produktion mit Klaus-Martin Boestel als Mephisto. Und natürlich Detlef Heintze, der sich zwischen 1981 und 1994 in 96 Vorstellungen der Tragödie erster Teil auf einen Pakt mit dem Teufel, kongenial gespielt von Thomas Schneider, einließ.

Letztere Inszenierung wollte das DNT Weimar eigentlich in seinem Online-Programm zeigen und hatte beim Deutschen Rundfunkarchiv nach der Fernsehaufzeichnung angefragt. Die positive Rückmeldung erwies sich jedoch als Irrtum, der allerdings erst nach der Veröffentlichung des Streaming-Termins festgestellt wurde: Bei dem zwischenzeitlich zugesandten Filmmaterial handelt es sich um den Bennewitz-»Faust« aus dem Jahr 1965 und leider nicht bloß um eine Verwechslung. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass im Rundfunkarchiv, entgegen vorheriger Aussage, doch keine Aufzeichnung der `81er-Produktion vorliegt.

Die nicht weniger legendäre »Faust«-Inszenierung von 1965 stößt hoffentlich ebenfalls auf großes Interesse beim Publikum, wünschen sich die DNT-Macher. Die Aufzeichnung entstand 1968 in der Fernsehregie von Peter Deutsch für die Reihe »Die Stadt und ihr Theater« des Deutschen Fernsehfunks, in der beispielhafte Schauspielinszenierungen aus der DDR vorgestellt wurden. In einer anschließenden Besprechung in der Zeitung »Das Volk« war von einem »sehr lebensvollen Faust« zu lesen, der »uns sehr nahe in seinem Suchen und Sichfinden als Mensch« sei und »modern in diesem besten Sinne, mit einer Sprache, die, ohne an Schönheit und Klang zu verlieren, immer dem Sinn des Dichterwortes zur Klarheit verhilft«.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später kann man sich ab 19. März, 19.30 Uhr für 48 Stunden auf der Website des DNT selbst ein Bild von der damaligen Lesart und szenischen Umsetzung der berühmten Tragödie machen.

Szenenfoto aus der 1965er Faust I-Inszenierung von Fritz Bennewitz. (Foto: Karl Röser)

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