6. November 2019
Weimar

Ein echter Weidenbach auf der Theaterbühne

Wendestück im DNT mit live gemaltem Bühnenbild

Zum dreißigsten Mal jährt sich 2019 die Öffnung der DDR-Grenzen in Richtung Westen. Das politische Gerede um die Deutsche Einheit und den sogenannten Mauerfall kann Einen derzeit schon mal ein wenig stressen.
Auch das Deutsche Nationaltheater widmet sich mit dem Stück „Brüder und Schwestern“, das am 10. November 2019 im Maschinensaal des E-Werks in Weimar uraufgeführt wird, diesem Thema. Doch wer die Inszenierungen des DNT kennt, weiß, dass die Bühnenfassung des Romans von Birk Meinhardt sicherlich keinem politstrategischen Gesabbel unterliegen wird, sondern Geschichtswissen mit abendlicher Unterhaltung verbinden soll.


Für innovative Ideen bekannt, hat sich Regisseur Hasko Weber zur Realisierung des Stücks auch den Weimarer Maler Dieter Weidenbach auf die Bühne geholt. Der für seine monumentalen Werke bekannte Künstler, der ja selbst eine bewegte Ost-West Vergangenheit hat, soll während der Vorstellungen live ein riesiges (Bühnen-) Bild malen, das erst am Ende aller Aufführungen fertiggestellt sein wird. Hier kann Weidenbach als autarker Künstler im Hintergrund der Spielszenen permanent an seinem Werk arbeiten, während die Schauspieler damit beschäftigt sind, die Geschichte einer thüringischen Familie aus den Jahren 1973 bis ins neue Jahrtausend zu erzählen. Einer Familie, wie sie jeder von uns kennt, mit Überzeugten, Mitläufern und Phantasten. Autor Christian Tschirner hat den Roman fürs Theater bearbeitet, Sven Helbig sorgte für den passenden musikalischen Part.


Kürzlich traf sich das Spielensemble in Dieter Weidenbachs Atelier, um sich mit dessen Werk und dessen Art, den Pinsel zu führen, vertraut zu machen. Denn auch wenn Schauspieler, Maler und Musiker eigenständig arbeiten, soll das Ganze für den Zuschauer natürlich am Ende ein homogenes Bild abgeben. Und es soll begeistern, mit einer Geschichte, die den jungen Leuten die damalige Zeit näher bringt, den älteren Erinnerungen beschert, in denen sie sich bestenfalls sogar selbst wiederfinden. Und es soll Verständnis fördern, für die immer noch anliegenden Probleme, die aus der Wiedervereinigung resultieren und hier im „Osten“ teils allgegenwärtig sind.

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