26. März 2021
Weimar

Ein Stück Weimarer Theatergeschichte

Dürrenmatt-Klassiker „Der Besuch der alten Dame“ von 1978 im Online-Programm des DNT Weimar

(Foto: privat)

Eine weitere legendäre Inszenierung der Weimarer Theatergeschichte ist ab Freitag, 26. März, 19.30 Uhr für 48 Stunden als Video-on-demand auf der Website des DNT Weimar zu sehen: Friedrich Dürrenmatts Tragikomödie „Der Besuch der alten Dame“, die Regisseur Harry Buckwitz hier 1978 erstmals auf die Bühne brachte.

»Die alte Dame ist ein böses Stück, doch gerade deshalb darf es nicht böse, sondern aufs humanste wiedergegeben werden, mit Trauer, nicht mit Zorn, doch auch mit Humor, denn nichts schadet dieser Komödie, die tragisch endet, mehr als tierischer Ernst«, bemerkt der Schweizer Dramatiker Friedrich Dürrenmatt zu seiner Parabel über Geld, Verführbarkeit und Moral an, die bis heute nichts an Aktualität verloren hat:

Im hohen Alter kehrt Claire Zachanassian als mondäne, reiche Dame in ihre Heimatstadt Güllen zurück, die von ihr über die letzten Jahre systematisch in den finanziellen Ruin getrieben wurde. Davon ahnen die völlig verarmten Bewohner*innen des Provinznests nichts, sondern erhoffen sich von der Milliardärin vielmehr die ersehnte Rettung aus der Not. Und tatsächlich stellt diese der Stadt eine Schenkung in Höhe von einer Milliarde Mark in Aussicht. Nur eine Bedingung knüpft sie daran, die aber umso schwerwiegender ist: Die Tötung ihres Geliebten aus Jugendtagen Alfred Ill, der sie seinerzeit verraten und die Vaterschaft ihres gemeinsamen Kindes geleugnet hat. Dafür will sie nun Gerechtigkeit. Entrüstet lehnen die Güllener ab. Wohlstand für einen Mord, das geht ihnen dann doch zu weit. Zunächst, denn das Angebot ist verlockend…

»Ich möchte diese groteske Tragikomödie wie ein antikes Satyrspiel inszenieren. Je argloser, je einsichtiger diese Szenen menschlicher Korrumpierbarkeit, alttestamentarischer Gerechtigkeitsforderung dargestellt werden, desto bestürzender sind sie«, schrieb Regisseur Harry Buckwitz an seinen Ausstatter Karl von Appen in Vorbereitung der gemeinsamen Arbeit an dem Dürrenmatt-Klassiker 1978 am DNT Weimar. Für den in der BRD, der Schweiz und den USA anerkannten Theatermann (1904 – 1987) , der u. a. die Münchner Kammerspiele, die Städtischen Bühnen Frankfurt und das Schauspielhaus Zürich geleitet hat, war es die erste Inszenierung in einem sozialistischen Land. Buckwitz folgte einer Einladung des damaligen Generalintendanten Dr. Gert Beinemann, da er überzeugt war, dass solche Erfahrungen beiderseitig sehr nützlich sein können.

In den Hauptrollen überzeugten Christa Lehmann aus dem Ensemble des DNT und Wolf Kaiser als Gast am Haus. Die für die Reihe »Welt des Theaters« entstandene Aufzeichnung der Inszenierung wurde dem DNT von der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv zur Verfügung gestellt.

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