Es feierten wohl nur Zugereiste - meinanzeiger.de
6. Februar 2019
Weimar

Es feierten wohl nur Zugereiste

100 Jahre Weimarer Republik

Auf der einen Seite scheint Weimar ausgestorben zu sein, auf der anderen gleicht es einer Invasion. 100 Jahre Weimarer Republik auf den Tag genau: Die hier Lebenden sind wohl frühzeitig ins WE oder meiden heute die Innenstadt. Ich selbst hatte nicht mal Probleme mit Parkplätzen nähe Zentrum. Die Auswahl war größer als sonst so. Da trauten sich wohl heute viele nicht.

Und es tut mir leid, aber das Jubiläum scheinen nur temporär Zugereiste, gut abgeschirmt zu feiern. Vielleicht ist das mon ami eine Ausnahme. Doch da kam ich nicht mehr hin, da ich unmetrige Umwege laufen musste. Vorbei an großen schwarzen Limousinen und unzähligen Polizeifahrzeugen. So viele Verbotsschilder und Absperrungen hat Weimar lange nicht mehr erlebt. Die Polizisten waren aber nett und halfen bei der Umwegerklärung.

Selbst am organisierten Public-Viewing-Point in der Kaufstraße, Ecke Herderplatz herrscht kein Gedränge. Doch die 20 bis 30 Schaulustigen wurden belohnt. Zuvor wurden sie in einem Zelt von der Polizei streng kontrolliert – Taschen auspacken, Körper abfühlen- dann gings vor bis zur Absperrung. Warten, warten…
Doch nach dem Gedenkgottesdienst in der Herderkirche kam schnurstracks Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, nebst Gattin Elke Büdenbender, auf die kleine Gruppe zu und reichte allen seine Hand. „Willkommen in Weimar entgegnete ihm eine Passantin.“ Und Steinmeier retour: „Immer wieder gerne.“

Übrigens: Der Bundespräsident war das einzige der fünf ständigen Verfassungsorgane, welches sich am Herderplatz zum Volk bewegte. Und die paar Leutchen waren sehr erfreut: „Heute wasche ich mir meine Hand nicht mehr.“ „Der ist aber volksnah.“ „Ich finde das toll, dass er zu uns kam.“ „Der ist nett.“ „Und er roch so gut.“

100 Jahre Weimarer Republik

***Der Beitrag ist auch auf FB veröffentlicht ***freue mich schon über zahlreiche bildungsfreie Kommentare

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