15. Februar 2018
Weimar

Frieden, Salam, Schalom

Israel wird dieses Jahr 70, deshalb lud die AG Weimar der Deutsch-Israelischen Gesellschaft den in Jerusalem lebenden deutschen Journalisten Ulrich Sahm zum Gespräch ein. Er hielt im Herder-Saal-Weimar den Vortrag „Um Himmels Willen, 70 Jahre Israel!“. Bekannt ist mir Herr Sahm von einer Lesereise, wo wir als Reisegruppe Gäste bei ihm und seiner Frau waren, und sein „Humus mit Gesicht“ und andere Köstlichkeiten uns erfreuten. Das kann ich aber von seinem aktuellen Vortrag in Weimar nicht sagen. Er verteidigte den jetzigen Status quo und leugnet, dass Israel ein Besatzer ist und die Palästinenser die Besetzten sind. Das heißt, Israel verändert ständig die Bedingungen in den besetzten Gebieten, indem die Siedlungen ständig weiter ausgebaut werden. Derzeit leben rund 350.000 jüdische Siedler im Westjordanland und rund 250.000 in Ostjerusalem, Tendenz steigend. Für die knapp drei Millionen Palästinenser im Westjordanland bedeutet der Status quo, dass sie nach der Besatzung als Menschen zweiter Klasse leben müssen. Israel enteignet ihr Land für den Siedlungsbau, schränkt ihre Bewegungsfreiheit massiv ein, stellt sie unter Militärrecht. Das Schicksal der Palästinenser liegt in den Händen der israelischen Regierung und ihrer Behörden, die sie sich nicht ausgesucht haben und die sie selbst nicht wählen können.

In Tel Aviv hörte ich auch einen Vortrag von Prof. Dr. Moshe Zuckermann, über seine Sorgen um Israel. Ende 2017 war er Gast in der Eckermann Buchhandlung in Weimar. Dort sprach er, dass Rechte Politiker Israels ihn als „Selbsthasser“ bezeichnen.Er gehöre angeblich zu jenen Juden, die ihre Kultur immer wieder verleugnen. Seiner Meinung nach führe die Verweigerung der Zwei-Staaten-Lösung durch Israel, zur „Beschleunigung des historischen Endes des zionistischen Projekts“. Da die arabische Bevölkerung in Israel stetig wachse, werde es unweigerlich dazu kommen, dass Juden bald eine Minderheit bilden. Das sagte ein Jude, welcher als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender in Israel geboren ist und in Tel Aviv aufwuchs. Seine Eltern emigrierten 1960 nach Deutschland, wo er auch studierte. Mit 21 Jahren kehrte er von Deutschland nach Israel zurück. Er befürwortet eine Konföderation zwischen Israel und einem unabhängigen Staat Palästina als langfristige Lösung des Konflikts. Es muss eine zumindest symbolische Anerkennung des Rückkehrrechts geben, was de facto heißt, dass man zwischen 250.000 – 400.000 Palästinenser im Zuge der Vereinigung von Familien ins Kernland von Israel zurückkehren lässt. Die anderen werden im neuen palästinensischen Staat oder in den Ländern, in denen sie sich heute befinden, repatriiert. Und zwar unter Verwendung der Gelder, die dann aus dem Westen fließen müssen, wenn dieser an der Beendigung des Konfliktes wirklich interessiert ist. Er ist überzeugt, dass Israel und der palästinensische Staat nur dadurch zukunftsfähig sind.

Diese zwei Positionen zeigen mir deutlich, „Aber alles und jedes ist im Fluss der Veränderung“. Israel ist die Antwort der Juden auf den Hass der christlichen Europäer. Leider wird dieser Konflikt auf dem Rücken der Palästinenser ausgetragen. Aber die Zeit arbeitet gegen Israel! Als Staat hat Israel nur eine Möglichkeit zu bestehen. Das ist die Zusammenarbeit und der Frieden mit den Arabern! Entsprechend ihrer Verantwortung für den Holocaust, gehört es zur Schutzpflicht Deutschlands gegenüber Israel, den jüdischen Staat vor selbstmörderischen Abenteuern zu bewahren!

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