Friedensdemonstration statt Rechtsrock in Mattstedt. - meinanzeiger.de
26. August 2018
Weimar

Friedensdemonstration statt Rechtsrock in Mattstedt.

Am Freitag dem 24. August erfuhren wir, dass das Rechtsrock-Konzert am morgigen Samstag in Mattstedt nicht stattfinden darf. Deshalb entschied das Bündnis gegen rechts Weimar aus dem Protest gegen das Rechtsrock-Konzert am Samstag ein Fest der Demokratie zu machen. Und man konnte ja nicht ausschließen, dass trotzt Verbot einige Nazis in Mattstedt auftauchen und dort provozieren werden.

Am Samstagvormittag setzte ich mich also auf meinen Drahtesel und nahm an der Fahrrad-Sternfahrt von Weimar nach Mattstedt teil. Treffpunkt war die Sternbrücke / Schlossbrücke, Pfarrer Hardy Rylke hatte es angemeldet und zwei Polizisten auch auf dem Diensträdern begleiteten uns.

Am Anfang waren wir über zwanzig und unterwegs sind weitere Radler dazu gekommen. Wir fuhren am Ilmtal-Radweg über Tiefurt, Kromsdorf, Oßmannstedt, Oberroßla, Niederroßla, Zottelstedt und dann erreichen wir nach zirka neuzig Minuten Mattstedt. Problematisch fand ich den Berg zwischen Zottelstedt und Mattstedt und schob mein Rad. Oben standen zwei Polizist*innen, sie riefen mir entgegen: Hier ist die Bergwertung du kannst nicht einfach schieben. Da packte mich der Ehrengeiz und ich schwang mich erneut auf mein Rad und siehe da, mit einem Schub von hinten mit Hilfe der Polizei schaffte ich es sogar den Restberg hinauf.

Unterwegs fanden interessante Gespräche statt und dabei erfahre ich das eine Frau sogar Geburtstag hatte. Als ich ihr gratulierte, meinte sie: Auch wenn ich heute Geburtstag habe , will ich heute Farbe gegen rechts bekennen. Ich war begeistert von ihrer Aussage.

Im Mattstedt beteiligten wir uns an der Demonstration.
https://www.mdr.de/thueringen/video-224866_zc-1201c59b_zs-4e0ede05.html
Ich unterhielt mich auch an den Infoständen mit den hauptsächlich jungen Menschen, welcher sich gegen Rechts engagieren. Es macht ihnen Sorge, wie es zum Rechtsruck in der Gesellschaft kam und sie suchen nach Lösungen.

Auch ich frage mich das immer wieder und was ist heute eigentlich „rechts“? Früher war alles einfach, man war links oder rechts, sichtbar, bewusst, offen. Heute ist das alles viel komplizierter. Tausende marschieren bei Pegida, Millionen wählen die AfD. Dabei nennen sich besorgte Bürger*innen, konservativ, patriotisch. Aber „rechts“? So nennt sich fast Keiner. Sie seien doch keine „Nazis“, nur weil sie Angst um Deutschland haben.

Wir müssen darüber reden, dass es nicht um Deutschland geht, sondern um die Abstiegsangst der Mittelschicht. Diese trägt die Lasten der Gesellschaft. Doch sie schrumpft ständig seit der Wiedervereinigung. Ihre Einkommen sinken und sie können kaum Steuertricks oder Vergünstigungen wie die Oberschicht nutzen. Somit ist die Mittelschicht so sehr empfänglich für einfache nationalistische Parolen der AfD.

Im Jahr 2015 waren die realen Bruttolöhne der unteren 40 Prozent Beschäftigten zum Teil deutlich niedriger als 1995. Ihr Arbeitsentgelt besitzt heute weniger Kaufkraft als vor 20 Jahren.Und ein Teil von Ihnen glaubt, die AfD wird ihnen helfen, diese Ungerechtigkeit zu beseitigen. Es ist ein Trugschluss, im Programm der AFD steht dazu nichts.

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