Gut beschirmt - meinanzeiger.de
3. Januar 2020
Weimar

Gut beschirmt

[ Serie: Mein Museum ] Schirmmuseum Weimar

Gut beschirmt: Es gibt einiges im Schirmmuseum Weimar zu entdecken.

Gut beschirmt: Es gibt einiges im Schirmmuseum Weimar zu entdecken.

Im Schirmmuseum Weimar im Schirmfachgeschäft und Lederhandel Annelies Pennewitz erfahren Besucher Geschichtliches und Modisches über die Sonnen- und Regenutensilien.

Frau Pennewitz…

Was gibt‘s Musehenswertes?
Schirme sind Ausdruck von Macht und Würde. Einen Teil der Entwicklung, der Mode von Schirmen, ist hier auf rund 30 Quadratmetern erlebbar. Im Schirmmuseum Weimar – 1999 eröffnet – sind vorwiegend europäische Sonnenschirme zwischen der Mitte des 18. Jahrhunderts bis um 1900 zu sehen. Meine ­ältesten Stücke sind somit rund 250 Jahre alt. Gezeigt werden aber auch Regen­tücher und -schirme.

Woran führt kein Weg vorbei?
An den Sonnenschirmen des Adels aus dem Rokoko und der Goethezeit mit Elfenbeingriffen. Oder denen aus der Biedermeierzeit mit Holz­griffen und den ­Equipage-Schirmen (Kutschenschirme). Erst mit der Industrialisierung kamen ­Regenschirme mit imprägnierten Stoffen – auch im Museum gezeigt – auf.

Außer der Reihe:
In der Ausstellung sind der Vollständigkeit halber auch asiatische Schirme zu sehen.

Museum zum Anfassen:
Da es sich um empfindliche Schirmstoffe handelt, ist ein Anfassen nicht möglich.

Ihre liebsten Stücke?
Das sind die Knicker (Knickschirme) aus der Goethezeit – Sonnenschirme, die man seitlich abknicken kann – auch zum Fächern geeignet.

Museums-Rundgang:
Der dauert maximal dreißig Minuten. Es geht aber auch schneller.

Museum zum Mitnehmen:
Einen Flyer als ­Erinnerung und Weiterempfehlung gibt es im Schirmfachgeschäft.

Sind auch Kinder hier ­museumsreif?
Sicher können Kinder mit ihren Eltern ins Museum. Sie sollen Geschichte erle­ben und, dass ein Schirm kein Wegwerfartikel sein muss.

Museum For You:
Aus­ländische Touristen besuchen ­regelmäßig das Schirm­museum. Besonders Japaner sind sehr angetan. Da gibt es schon mal eine Verstän­digung mit Händen und Füßen.

Das muss gesagt werden:
Es erstaunte mich, welche ­Resonanz Filmberichte über das Schirmmuseum aus­lösten. So begrüßte ich schon Japaner, die solche Beiträge vor ihrer Weimarreise im Fernsehen sahen. Einmal rief mich eine Frau aus Orlando (Florida) an, die einen Bericht in den USA sah. Schöne ­Erinnerungen. Ich hoffe, das Museum noch zwei Jahre öffnen zu können.

Zur Sache

Schirmmuseum Weimar, Rittergasse 19, 99423 Weimar

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr; Samstag, 10 bis 14 Uhr

Kontakt: 0 36 43 - 90 33 63

Information: Der Eintritt ist kostenfrei.

Alle Bilder auf: www.meinAnzeiger.de/MeinMuseum

Buchtipp

„Mein ­Museum“, 13,95  Euro. ­Online ­kaufen: www.klartext-­verlag.de oder im Buchhandel; per E-Mail: info@­klartext-verlag.de

Historisches

In einigen päpstlichen Wappen kommen auch Schirme vor. So bei: Basilica minor (s. Foto) ist ein besonderer Ehrentitel, den der Papst einer bedeutenden Kirche verleiht. Und auch: Auch bei der Sedisvakanz des Apostolischen Stuhles. „Unbesetztheit des Stuhls“, so wenn der Papst verstorben oder abgedankt hat und noch kein neuer gewählt wurde.

Zitate

Goethe nahm das Wetter mit Humor: „Lass regnen, wenn es regnen will, dem Wetter seinen Lauf;
denn wenn es nicht mehr regnen will, so hört’s von selber auf!“

Fernandel, Schauspieler: „Der Mut ist wie ein Regenschirm: Wenn man ihn am dringendsten braucht, fehlt er einem.“

Schirmmacher in Aktion

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