4. Dezember 2017
Weimar

Lebenslang Schule

Ihr Beruf als Lehrerin lässt Weimarerin auch im Ruhestand nicht los

„Lehrerin zu sein, das ist der schönste Beruf der Welt“, schwärmt Doris Vogt-Köhler noch immer. 43 Jahre hat sie vor allem Deutsch und Kunsterziehung unterrichtet; die meiste Zeit an Sonderschulen.

Seit einigen Jahren genießt sie ihr Rentnerdasein. Ihre alte Profession lässt sie trotzdem noch immer nicht los. Statt vor der Tafel zu stehen, schreibt sie Geschichten vom „Pflichtabenteuer Schule“.

In ihrem neusten Buch steht Elvira im Mittelpunkt. „Manche Bekannte wollen mich in ihr erkennen“, erzählt Doris Vogt-Köhler . Doch sie würden sich irren.

Ihre Hauptperson fühlt sich längst nicht so wohl in der Schule wie es die Autorin tat. Sie muss sich behaupten gegen Schüler, Eltern, das ­System Schule. Keine leichte Aufgabe. Elvira täte es gut, wenn man ihr einen „Berufsausstieg ohne Gesichtsverlust“ ermöglichen könnte, sinniert Vogt-Köhler über Alterna­tiven zum Bestehenden.

Sie selbst hat bis zum regulären Renteneinsteig vor ihren Klassen gestanden. Immer mit großer Freude. Die Weimarerin selbst beschreibt sich als strenge Lehrerin. „Aber nicht im Sinne von diktatorisch“, stellt sie energisch klar. Sie habe Wert auf Disziplin gelegt und dabei immer vorgelebt, was sie von ihren Schützlingen erwartet hat.

„Meine Schüler freuen sich noch heute, wenn sie mich treffen. Sie sind stolz, dass aus ihnen etwas geworden ist.“ Dabei hatten sie keinen leichten Weg zu bewältigen. Sie waren verhaltensauffällig oder hatten mit Lernproblemen zu kämpfen. Zu DDR-Zeiten konnten diese Schüler Teilfacharbeiter werden. „Sie haben erfahren, dass auch sie wertvoll sind, sich integrieren und für sich selbst sorgen können“, blickt die ehemalige Lehrerin zurück.

Heute fehlten viele dieser Arbeitsmöglichkeiten. Das bedauert Doris Vogt-Köhler. Dafür sei heute das Schulsystem viel durchlässiger geworden. Wer früher in die „Hilfsschule“ ging, blieb auch dort, so ihre Erfahrung. Mittlerweile könnten die Kinder bei Lernfortschritten die Schulart wechseln.

Viele ihrer Überlegungen haben Eingang ins Buch gefunden. Doch nicht nur bierernst geht es zu im Roman „In Weimar gestrandet“. Jedoch sollten die lustigen Geschichten aus dem Schulalltag nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Konfliktpotential der handelnden Personen nicht immer gewaltfrei gelöst werden kann. „Auch wenn es kein Krimi ist, so gibt es doch Toto“, verrät die Autorin.

Für Doris Vogt-Köhler ist das Schreiben schon seit früher Jugend Hobby. Zuerst waren es Gedichte und Kurzgeschichten. Seit sie im ­Ruhestand ist, sind unter ihrer Feder drei Romane entstanden. „Was sich in mir gesammelt hat, muss ich zu Papier bringen“, beschreibt sie ihre Antriebsfeder und erzählt von neuen Ideen, an denen sie schon wieder arbeitet.

Hintergrund


+ Ein Zitat von Ingo Appelt sorgte kürzlich für einen fast schon kollektiven Aufschrei unter unseren Lesern. Der Comedian ­unterstellt hiesigen Männern ein gering ausgeprägtes Sexualverhalten und nannte sie „untervögelte Ossi-Männer“.

+ Eine Leserin aus Weimar sinnierte daraufhin in einem Leserbrief über das nicht gerade schmeichelnde Attribut, ließ auch Überlegungen ihrer Enkelin einfließen, die eher eine ornithologische Erklärung suchte.

+ Für große Heiterkeit sorgte der Brief in der Redaktion. Diese Frau wollten wir kennenlernen. AA-Redakteurin Simone Schulter traf mit Doris Vogt-Köhler eine Lehrerin im Ruhestand, die nicht nur mit einer gehörigen Portion Humor Artikel kommentieren kann, sondern selbst Bücher schreibt. Heute wollen wir sie vorstellen.

Den Leserbrief können Sie als Kommentar zum genannten Artikel unter www.meinAnzeiger.de nachlesen.

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