11. Juli 2021
Weimar

Mit digitaler Schulung zu besserer Hilfe

„Verein Lebensräume e.V.“ erhält Förderung durch die GFAW-Thüringen

Andrea Hilgenfeld ist Geschäftsführerin des Vereins Lebensräume e.V. in Weimar. Kürzlich bekam der Verein einen Förderbescheid aus dem ESF Fond/Thüringen für digitale Fortbildung der Mitarbeiter.

Frau Hilgenfeld, wir wollen zunächst mal die Einrichtung „Verein Lebensräume e.V.“ vorstellen. Wen betreut der Verein?

Unser „Verein Lebensräume e.V.“ ist ein psychosozialer Hilfsverein, der Hilfsangebote in den Bereichen Wohnen, Arbeit und Beschäftigung, Freizeit und Selbsthilfe anbietet.

Unser Ziel besteht darin, chronisch psychisch kranke und seelisch behinderte Menschen in ihrer Tagesstrukturierung zu unterstützen und ihnen Perspektiven für ihre Lebensgestaltung anzubieten und diese nach Möglichkeit in ihren Alltag zu übernehmen.

Wie sieht diese Arbeit konkret aus?

Unsere Tätigkeit besteht darin, Angebote der Tagesstrukturierung mittels Alltagstraining in den Bereichen – Hauswirtschaft, Handwerken, künstlerisches Gestalten und Bewegung sowie im Bereich Wohnen – Körper- und Bekleidungspflege, Ernährung und Versorgung zu unterbreiten, um die Selbständigkeit zu erhöhen.

Frau Hilgenfeld, was bieten Sie direkt an?

Wir haben zum einen den Bereich Wohnen d.h. Wir betreiben ein Wohn- und Übergangswohnheim für chronisch psychisch kranke und seelisch behinderte Menschen, das wir heute eine besondere Wohnform nennen, in der Washingtonstraße 50 sowie eine Tagesstätte in der Schwanseestraße 26 in Weimar und eine weitere Tagesstätte in der Pfarrgasse 2 in Bad Berka.

In der besonderen Wohnform können Menschen, die vorübergehend nicht in einer eigenen Häuslichkeit wohnen können, betreut und versorgt. Sie werden unterstützt wieder Selbständig wohnen zu können.

Im Rahmen der Tagestrukturierung in den Tagesstätten unterstützen wir die Besucher dabei, den Tag sinnvoll und umfassend zu gestalten. Dabei unterbreiten wir in den unterschiedlichsten Sparten – wie Hauswirtschaft, Handwerk, künstlerisches Gestalten, Bewegung u. ä. individuelle Angebote. Diese dienen als Lernangebot und können leicht in den persönlichen Alltag überführt werden.

Wie kommen die Menschen, die Hilfe suchen, zu Ihnen?

Oft kommen die Menschen nach einem psychiatrischen Klinikaufenthalt zu uns. Andere werden durch den Sozialpsychiatrischen Dienst der jeweiligen Kommune an uns verwiesen. Wichtig erscheint uns, dass jedem ein passendes Angebot unterbreitet wird. Deshalb arbeiten wir mit diesen Stellen eng und vertrauensvoll zusammen. Es ist also ratsam, sich bei Unterstützungsbedarf an den SPDI (Sozialpsychiatrischer Dienst) der jeweiligen Kommune zu wenden.

Sie haben jetzt ein Projekt bei der GFAW Thüringen beantragt und auch die Zuwendung erhalten, was haben Sie vor?

Wir haben Fördermittel für eine „Anpassungsqualifizierung digitaler Wandel – Nutzung digitaler Programme/Medien“ beantragt und dafür auch eine Zuwendung bekommen.

Lebenslanges Lernen ist für jeden Mitarbeitenden wichtig. Unser Ziel ist dabei, die Arbeitsprozesse zu verändern und an aktuelle Erfordernisse anzupassen.

Unsere Mitarbeiter setzen das täglich aus eigenem Antrieb schon um. In Zukunft wollen wir alle Dokumentationsvorgänge digitalisieren. Dafür wollen wir für alle Mitarbeitenden die gleichen Bildungs-Standards schaffen. Eine Kompetenzerweiterung der gesamten Teams soll durch die Bildungsmaßnahme erzielt werden. Mit diesem Ziel sind wir bei unserer Bewerbung angetreten.

Und Sie hatten Erfolg bei der GFAW Thüringen. War das Bewerbungsverfahren schwierig?

Wir haben sehr viel Gesprächsbereitschaft erfahren und für unser Anliegen sehr viel Verständnis erhalten. Die GFAW Thüringen verwaltet Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfond und man hat dort gut verstanden, dass wir uns bemühen unsere Arbeit zukunftsfähig zu gestalten. Für dieses Verständnis bin ich sehr dankbar und die Begegnung mit den Mitarbeitern der GFAW Thüringen war sehr hilfreich.

Frau Hilgenfeld, wie soll die digitale Zukunft des „Vereins Lebensräume e.V.“ aussehen?

Wir wollen digitale Dokumentationsvorgänge für die Menschen, die wir betreuen, umsetzen. Das bedeutet alle Alltagsaktivitäten, sowie Behördenvorgänge neben der notwendigen Medikamentenbetreuung, werden in einem eigenen System jederzeit transparent aufrufbar und bearbeitbar sein. Selbst gesteckte Ziele der Klienten können so sehr gut unterstützt werden. Dabei achten wir natürlich auf alle Datenschutzrichtlinien. Selbstverständlich wird auch die Privatsphäre aller, die wir betreuen, gewahrt. Unser Ziel ist es auch in Zukunft, Hilfe zur Selbsthilfe zu gewähren.

Vielen Dank für das Gespräch

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