Nur eine Frage... Warum sind die Streifen in den meisten Krawatten schräg, Herr Kaiser? - meinanzeiger.de
17. Juni 2016
Weimar

Nur eine Frage… Warum sind die Streifen in den meisten Krawatten schräg, Herr Kaiser?

Krawattier Rudolf Kaiser

Krawattier Rudolf Kaiser

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Der Schnitt


Schaut man frontal auf eine europäische Krawatte, dann verlaufen die Streifen meist von links unten nach rechts oben. Da wurde schon viel hineininterpretiert: Das sehe dynamischer aus, wie ein steigender Aktienkurs. Der amerikanische Schnitt ist überwiegend anders herum.    

Kein Trend


Die diagonal verlaufenden Streifen in der Krawatte bekunden aber keinen modischen Trend, sondern sind rein technisch bedingt. Beim Weben entsteht das Tuch aus Kette (Längsfäden) und Schuss (Querfäden), die in einem Winkel von 90 Grad verwebt werden. Damit die Krawatte formstabil bleibt wird sie in einem Winkel von 45 Grad zugeschnitten. Streifen, die im Gewebe noch vertikal laufen, erscheinen in der Krawatte nun schräg. Sollen die Krawattenstreifen dagegen horizontal verlaufen, werden die Streifen diagonal eingewebt.  

Der schräge Zuschnitt hat noch einen anderen Vorteil: Der durch Binden und Lösen ausgeübte Zug wird vom Seidenstoff besser aufgenommen. Und durch das Nähen einer Krawatte aus drei Teilen sowie die doppelte Baumwolleinlage wird die Form auch stabilisiert und ein Verdrehen des ­Stoffen verhindert.


Der Antwortgeber


Rudolf Kaiser (68) ist Krawattier aus Weimar. In seinem gerademal neun Quadratmeter großem Geschäft Am Palais (ab 1. September in der Marktstraße 6) bietet er 1600 Krawatten an. Und nur drei davon haben einen Doppelgänger.

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