Olaf aus Weimar ist weg - meinanzeiger.de
23. Dezember 2016
Weimar

Olaf aus Weimar ist weg

Gunar Pilz freut sich über seinen neuen Mitarbeiter Karl-Heinz. Leider ist er noch gesichtslos.

Gunar Pilz freut sich über seinen neuen Mitarbeiter Karl-Heinz. Leider ist er noch gesichtslos.

Olaf ist verschwunden. Ein Vierteljahrhundert arbeitete er für „Berufsbekleidung Katzmann“ in Weimar. Ob er jemals wiederkommt?



Er war der treuste Mitarbeiter von „Berufsbekleidung Katzmann“ in Weimar. Seit 1991 stand Olaf in der Trierer Straße und wies während der Öffnungszeiten den Kunden den Weg zum Geschäft. Bei Wind und Wetter hielt er aus. Dass ihm nicht zu warm oder kalt wurde, dafür sorgte sein Arbeitgeber mit der passenden Kleidung. „Die haben wir immer aufs Wetter abgestimmt“, so Geschäftsinhaber Gunar Pilz.

Beschmiert und angezündet



Olafs Leben war kein einfaches „Er musst viel ertragen“, erinnert sich Pilz. Passanten haben ihn schwer misshandelt. Dass eine Mütze geklaut wurde, war da noch das Geringste. Denn Olaf wurde auch beschmiert und angezündet. Sogar eine Hand schnitt man ihm ab.

Im Oktober war Olaf dann plötzlich in Gänze verschwunden. Gunar Pilz und seine Frau Kati, die im gleichen Gebäude ein Reisebüro führt, glauben nicht, dass ihr Maskottchen von allein das Weite suchte. Denn trotz aller Ausdauer als Wegweiser: Laufen war Olafs Sache nie. Mit seinen acht Kilogramm Lebensgewicht bei einer Größe von 1,90 Meter bliebt er mit seinem schaumstoffgestählten Körper lieber ruhig an Eingangstor stehen.

War es ein Halloweenstreich?



Olafs Verschwinden liegt nun einige Wochen zurück. Bis vor kurzem hatte Familie Pilz gehofft, dass ihr altgedienter Angestellter zurückkehrt, dass alles nur ein Halloween-Streich war. Sie dachten an eine Entführung und wären sogar bereit gewesen, für Olafs Wiederkehr Lösegeld zu zahlen.

Alles Hoffen war vergeblich. Olaf ist nicht wiedergekehrt. Damit ihren Kunden aber weiterhin gezeigt wird, wo beide Pilz-Geschäfte zu finden sind, haben die beiden Geschäftsleute einen neuen Mitarbeiter eingestellt.

Karl-Heinz wird angekettet



„Er heißt Karl-Heinz“, erzählt Kati Pilz. Nach langen Recherchen habe sie ihn im Internet gefunden. Rund 400 Euro haben die Pilz’ für ihn bezahlt. Seit einer guten Woche nun grüßt er die Passanten in der Trierer Straße. Karl-Heiz ist etwa gleich groß wie Olaf, dafür doppelt so schwer. Ihn einfach wegzutragen, wird etwas schwieriger als bei seinem Vorgänger. Wir haben trotzdem noch eine weitere Sicherungsvorkehrung ergriffen“, so Gunar Pilz. Zu seinem Bedauern wird der neue Angestellte angekettet. „Aber das geschieht ja zu seiner eigenen Sicherheit.“

Auch interessant