Heiße Spur im Fall Stephanie Drews - meinanzeiger.de
15. Oktober 2017
Weimar

Heiße Spur im Fall Stephanie Drews

Polizei sucht nach weißem Kleintransporter mit altem Ostkennzeichen

Stephanie Dress wurde nur zehn Jahre alt. Noch heute such die Polizei nach ihrem Mörder.

Stephanie Dress wurde nur zehn Jahre alt. Noch heute such die Polizei nach ihrem Mörder.

Cold Case werden im Englischen zu den Akten gelegte Kriminalfälle genannt. Der Fachbegriff gab einer amerikanischen Krimiserie ihren Namen. 156 Fälle löste das Team um Hauptperson Lilly Rush. Alles Fiktion? Mitnichten!

Auch in Thüringen werden Opfer nicht vergessen. Unter dem Namen „Soko Altfälle“ untersuchen seit November Kriminalisten aus Jena, Gera, Weimar
und Saalfeld erneut die Verbrechen an drei Kindern, die in den 1990er Jahren
ermordet wurden.

44 Minuten benötigen die „Cold Case“-Spezialisten, um ein Verbrechen aufzulösen. Das natürlich ist Fiktion! Doch im Fall von Stephanie
Drews haben die Ermittler jetzt eine heiße Spur, die zumindest nach 26 Jahren
zum Täter führen kann. ­– Mit Hilfe der Bevölkerung! Hier die Fakten:
 
Das Opfer
Stephanie Drews wurde nur zehn Jahre alt. Sie ging in Weimar zur Grundschule und kümmerte sich liebevoll um ihre drei jüngeren Geschwister. Weil
das Mädchen sehbehindert war, musste sie eine auffällige Brille tragen.
Stephanie wurde als freundlich, zuverlässig und kontaktfreudig beschrieben.
Vielleicht wurde ihr das zum Verhängnis.
 
Die Tat
Am Nachmittag des 24. August 1991 spielt das Mädchen mit einer Freundin und zwei Geschwistern im Weimarer Ilmpark am so genannten Ochsenauge,
als ein Mann sie ansprach. Für 50 D-Mark sollte sie ihn zum Schloss Belvedere
führen. Viel Geld für das Mädchen, das das Angebot nicht ausschlug. Um 16 Uhr
wollte der Unbekannte Stephanie wieder zurückbringen. Doch nichts geschah.
Die Freundin brachte Stephanies Geschwister daraufhin nach Hause und informierte die Eltern. Sogleich sucht der Vater mit dem Rad den Ilmpark
nach seiner Tochter ab. Gegen 18 Uhr informierten die Eltern die Polizei.

Erfolglos blieb auch die Suche durch Polizisten. Stephanie wurde erst am 26. August 1991, gegen 16 Uhr unterhalb der Teufelstalbrücke tot
aufgefunden. Ihr Mörder hatte sie von der Autobahn 4 aus 56 Meter in die Tiefe
geworfen. Wie Untersuchungen ergaben, starb das Mädchen an den Sturzverletzungen. Die genaue Todeszeit ist nicht bekannt.
 
Die Spurensuche
Im Juni wurde in der MDR-Sendung „Kripo Live“ über die Arbeitder „Soko Altfälle“ berichtet. Daraufhin meldete sich ein Zeuge aus Ostthüringen. Er hatte am Tatwochenende einen weißen Transporter, vermutlich ein altes „West-Modell“, auf Brücke gesehen – im Dunkeln stand dort er dort ohne Warnblinklicht.

Als Betreiber eines Pannendienstes notierte sich der Zeuge damals routinemäßig Kennzeichen von stehengeblieben Fahrzeugen, um  später schnell helfen zu können, falls er gerufen wird.

An Fragmente des Kennzeichens kann sich der Mann noch heute erinnern:

RE  1? – 2?
RH 1?-2?
RT 1?-2?


R-Nummern wurden damals noch im Bezirk Dresden zugelassen, bevor am 1. Januar 1992  das heutige Kennzeichen-Muster nach Städten und Gemeinden eingeführt wurde. Aus den Fragmenten ergeben sich 300 Autokennzeichen-Varianten.Die Polizei hofft nun auf Zeugen, die sich an einen Kleintransport mit diesen Kennzeichen erinnern können, Angaben zu Fahrzeughalter oder Fahrzeugnutzer machen können. Denn auf der Suche nach dem Fahrzeug blieben Anfragen bei Versicherungen und Zulassungsbehörden erfolglos. Nach einer zehnjährigen Aufbewahrungspflicht sind die nicht digitalisierten Unterlagen längst vernichtet.
  

Zur Sache


Polizei:
In der „Soko Altfälle“  arbeiten 20 Polizeibedienstete aus Jena, Gera, Saalfeld  und Weimar. Neben dem Fall Stephanie Drews vermitteln sie auch in den Todesfällen von Bernd Beckmann (verschwunden am 6. Juli 1993, am 18. Juli 1993 tot am Saaleufer aufgefunden) und Ramona Kraus (verschwunden am 15. August 1996, tot in einem Wald bei Eisenach aufgefunden am 9. Januar 1997).
 
Fernsehen:
Der Fall Stephanie Drews wird auch in der„Kripo Live“-Sendung am 15. Oktober im MDR aufgegriffen.
 
Zeugen:
Es werden nicht zur Zeugen gesucht, die sich an Auto undKennzeichen erinnern können, sondern auch über Bildmaterial aus Weimar
verfügen. Am Tag, als Stephanie entführt wurde, fand ein ZDF-Sonntagskonzert
auf dem Markt statt. Viele Gäste waren in der Stadt und haben fotografiert und
Videos aufgenommen. Auch daraus erhoffen sich die Ermittler neue Anhaltspunkte.
Belohnung:
5000 Euro hat die Staatsanwaltschaft als Belohnung fürPrivatpersonen ausgesetzt, die Hinweise zur Ergreifung des Täters geben können.
 
Kontakt:
Tel. 03641/ 81 16 78
sokoaltfaelle.jena@polizei.thueringen.de

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