Über 60 Prozent der Ostdeutschen glauben an Wunder - darunter vor allem Frauen - meinanzeiger.de
27. Mai 2019
Weimar

Über 60 Prozent der Ostdeutschen glauben an Wunder – darunter vor allem Frauen

Gesellschaft

Laut einer Umfrage des Spiegel, die im März 2019 durchgeführt wurde, sind Ostdeutsche ähnlich spirituell ausgerichtet wie Westdeutsche – trotz der deutlich geringen Anhängerzahlen von Religionen in Ostdeutschland.

Engel und Wunder sind glaubwürdiger als die Existenz Gottes


Die Anzahl der Personen, die an einen Gott glauben, ginge in Ost- und Westdeutschland weiter zurück. Doch der Glaube an Übersinnliches sei davon unberührt. An die Existenz von Engeln würden in Ostdeutschland mehr Menschen (36 Prozent) glauben als an die Existenz eines Gottes (26 Prozent). Bei dem Glauben an Übersinnliches gäbe es geschlechtsspezifische Unterschiede. Rund 75 Prozent der Frauen in Ost- und Westdeutschland glaubte an Wunder in der Welt – während es unter den Männern nur 57 Prozent wären, die an die Existenz von Wundern glaubten.

Auch in Thüringen sind Frauen spiritueller als Männer

Diesen Unterschied zwischen den Geschlechtern bestätigen auch die Zahlen des Thüringer Landesamtes für Statistik. Laut dem jüngsten thüringer Zensus in dem Jahr 2011 seien zum Beispiel rund 300 Tausend der thüringer Frauen Anhänger der evangelischen Kirche und unter den Männern seien es nur rund 230 Tausend, die der evangelischen Kirche angehörten.

Was treibt Menschen an, an Übersinnliches zu glauben?

Anne-Maria Makhulu, Professorin der Kulturanthropologie an der Duke University, ist der Überzeugung, es sei ein tiefes menschliches Bedürfnis, an magische Kräfte zu glauben. Wir bräuchten Glauben an Magie in unserem Leben, weil unsere Welt entzaubert wurde, behauptet die Professorin. Menschen hätten das Bedürfnis nach einem Glauben, der etwas besseres und größeres verspricht als unsere Lebensrealität, fügt Makhulu hinzu.

Wie wird das Bedürfnis nach Übersinnlichem ausgelebt?

Zahlreiche Produkte, Praktiken und Dienstleistungen reflektieren das Bedürfnis nach irrationalen Perspektiven. Typische esoterische Praktiken, die traditionell auch von Männern aber häufiger von Frauen ausgeübt werden sind bekanntlich:

  • Das Lesen von Horoskopen
  • Die Beschäftigung mit Tarot- und Engels-Karten
  • Das Nutzen von Pendeln zur Entscheidungsfindung
  • Das Kontaktieren von Wahrsagerin und Wahrsagerinnen, um Antworten auf Fragen zu erhalten
  • Das Kontaktieren von Personen, die behaupten Kontakt mit Verstorbenen aufnehmen zu können
  • Das Heranziehen von Heilern und Heilerinnen, die nicht der sogenannten Schulmedizin verpflichtet sind

Esoterik im Internet

Eine Heilerin in Thüringen, die mit ihrer Arbeit esoterischen Ansätzen folgt ist z.B. Susann Klinke aus Weimar. Auf ihrer Internetseite bietet sie z.B. Dienstleistungen wie “Orakel-Befragung”, “Symbol-Legung” und “Seelenkontakte zu Verstorbenen” an. Andere esoterische Dienstleister bieten neben Jenseitskontakten und Zukunftsdeutung auch Partnerrückführung an, für diejenigen, die mit ihrem Ex-Partner wieder zusammen kommen wollen. Sofortkontakte zu selbsternannten Wahrsagern, Wahrsagerinnen und Medien bieten z.B. die Internetseiten viversum.de und questico.de.

Esoterik im TV

Astro TV ist einer der bekanntesten esoterischen TV-Sender im deutschsprachigen Raum. Laut Angaben des Unternehmens Adviqo AG, welches den TV-Sender betreibt, sind bei Astro TV seit seinem Start bereits mehr als 1 Million Anrufe von Kundinnen und Kunden eingegangen.

Esoterik im Buchhandel

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, sei der Buchhandel der vielleicht finanzstärkste Zweig der Esoterik-Branche. Gibt man auf der Internetseite Amazon.de in der Rubrik “Bücher” das Stichwort „Esoterik“ ein, dann werden über 50 Tausend Bücher zu diesem Thema gefunden.

Esoterik Messen

Die Liste der Esoterik-Messen in Deutschland für die Jahre 2019 und 2020 ist überraschend lang. Eine der Messen in Ostdeutschland hat zum Beispiel den Titel „Esoterik- und Naturheiltage Magdeburg 2019”. Das Messeangebot umfasst unter anderem die Themen Aurafotografie, Meditation, Entspannungsmusik, Feng Shui, Handlesen, Heilsteine, Tee, Kartenlegen, Naturkosmetik sowie Engel und Elfen.

Religionen bilden sich zurück. Aber der Glaube an paranormale Phänomene scheint zu bleiben. Wie die oben zitierte Professorin Makhulu beschreibt, könnte der Glaube an Übernatürliches ein Gegenmittel sein, um die schmerzhafte Endlichkeit des Lebens besser ertragen zu können.

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