Woher kommt der Unmut? TLZ, 23.01.2017 - meinanzeiger.de
23. Januar 2018
Weimar

Woher kommt der Unmut? TLZ, 23.01.2017

Juliane Stückrad, Dr. phil., geboren 1975 in Eisenach, promovierte in Jena und ihre Dissertation erschient als Taschenbuch 2011. „Ich schimpfe nicht, ich sage nur die Wahrheit. Eine Ethnographie des Unmuts am Beispiel der Bewohner des Elbe-Elster-Kreises (Brandenburg) (Geist und Wissen)“.

Sie schreib im Vorwort zum Seminar für Volkskunde und Kulturgeschichte : „Die Betrachtung des „homo maledicens“, des schimpfenden Menschen, eröffnet die Möglichkeit, die Wahrnehmung der Welt aus der Negativ-perspektive zu erfassen. Schimpfen spiegelt nicht nur die als negativ empfundene Welt wider, in der die Dinge nicht so sind, wie sie sein sollten, der Schimpfende konstruiert gleichermaßen eine negative Wirklichkeit. So offenbart sich uns die Kultur des Unmuts….usw.“

Die Schlussfolgerung von Juliane Stückrad, Dr. phil., zum „homo maledicens“ im TLZ Artikel: „Ich hoffe, das unsere Demokratie so stark und bewusst ist, das auszuhalten“.

Das stimmt mich nachdenklich. Heute in der Gesellschaft gilt doch: „Hast du was, bist du was und wenn du nichts hast, bist du selber Schuld“. Bei der sogenannten friedlichen Revolution stand doch nicht die Freiheit an erster Stelle, sondern der uneingeschränkte Konsum. Und wer heute nicht mehr mit halten kann, ist frustriert. Warum haben Andere es geschafft und ich nicht?

Genau hier kanalisiert die AfD die Wutbürger, jetzt kommen die und wollen auch noch was davon abhaben? Sie schimpfen auf faule Arbeitslose, auf die Ausländer, Linke und Juden, statt sich ernsthaft mal Gedanken zu machen, wer die wirklichen Verursacher der schleichenden Armut in der Gesellschaft sind.

Diese Wutbürger können wir auf Dauer nicht aushalten, die Zivilgesellschaft muss sich wehren! Zum Beispiel am 12. November 1948 riefen die Gewerkschaften im Bizone einen Generalstreik aus, gegen Preistreiberei der Unternehmer, für Lohnerhöhungen und mehr Wirtschaftsdemokratie. Erst danach kam die hoch gepriesene „Soziale Marktwirtschaft“. Die Bürger*innen hatten sich das erkämpft und nicht als Geschenk von der Politik bekommen.

Wenn die Zivilgesellschaft nichts unternimmt gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft, wird es erneut zu Krieg und Verfolgung kommen.

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