Zwischen Auslandseinsatz und Adventskranzsegnung - meinanzeiger.de
13. Dezember 2019
Kultur

Zwischen Auslandseinsatz und Adventskranzsegnung

Militärseelsorge in Österreich in der Vorweihnachtszeit

„Bitte sehr, hereinspaziert und herzlich willkommen!“, sagt der freundliche Gefreite Matthias Lee in der Militärpfarre Wien im 13. Bezirk, als er die Tür öffnet. Diese Einladung ist typisch für die Haltung der Militärseelsorgen, die im österreichischen Bundesheer ihre Aufgaben wahrnehmen. Grundsätzlich zeigt man sich zwar konfessionsbewußt, im Alltag funktioniert aber die ökumenische Zusammenarbeit und natürlich ist jeder auch jederzeit willkommen, sofern er „Dienst im Bundesheer“ leistet.

Militärgeneralvikar Mag. Leszek Ryzka: „Unsere Militärseelsorge versteht sich als zusätzliches kirchliches Angebot. Natürlich bleibt jeder Soldat immer Mitglied seiner Pfarrgemeinde, aber weil die Zeit beim Bundesheer eine besondere Situation ist, bieten wir auch eine spezielle Seelsorge. Am Anfang steht der „Lebenskundliche Unterricht“ und das Interessante ist, dass nur die erste Veranstaltung Pflicht ist. Jeder Wehrpflichtige muss teilnehmen, danach könnte er problemlos fernbleiben. Ich selbst und auch alle anderen Pfarrer haben noch nie erlebt, dass jemand weggeblieben ist. Gerade nicht kirchlich gebundene Wehrpflichtige zeigen sich sehr interessiert an den angesprochenen Fragen, weil die Fragen, die angesprochen werden auch ihre großen Lebensfragen sind. In bin immer wieder erstaunt, wie viele Erwachsenen-Taufen wir haben und natürlich auch Trauungen. Das liegt auch daran, dass unsere katholischen Seelsorger überall dort sind, wo die Soldaten eingesetzt werden, also derzeit im Libanon, am Golan, im Kosovo und Zypern. Erstaunlicherweise kommen auch muslimische Soldaten gern zu unseren katholischen Veranstaltungen. Jetzt im Advent finden in vielen Kasernen Adventskranzsegnungen und Gottesdienste statt, die sind gut besucht. Anschließend gibt es schöne Adventsfeiern und da werden auch traditionelle Advents- und Weihnachtslieder gesungen und es entwickelt sich ein gutes Gemeinschaftsgefühl.“

Militärsuperintendent Dr. Karl-Reinhart Trauner sieht Militärseelsorge als einen ganz selbstverständlichen Seelsorgebereich: „Wir bieten für unsere evangelischen Soldaten das an, was jede gute Kirchgemeinde bietet: Andachten, Gottesdienste und verständnisvolle Gespräche für alle Lebenslagen. Gerade bei Auslandseinsätzen brauchen die freiwilligen Soldaten Zuspruch, denn oft fehlen ihnen die Familienangehörigen zu Hause. Ich selbst war in vielen Einsätzen dabei und konnte vielen Soldaten in Gesprächen beistehen. Wo Menschen in verantwortungsvollen Aufgaben stehen, da wollen wir dabei sein. Inspiration findet man als Seelsorger in den Anforderungen des Alltags und auch in Erlebnissen des Glaubens. Für mich war der Aufenthalt auf den Golan-Höhen bedeutsam, weil mir klar wurde, dass ich mich auf der selben Straße bewege, auf der Paulus damals nach Damaskus geritten ist. Für einen Theologen ist das schon ein tolles Erlebnis.“

Anders als in der Bundesrepublik Deutschland gehören die Militärpfarrer dem österreichischen Bundesheer an, sie tragen auch eine Uniform, gehen aber nicht im „System Bundesheer“ auf, als Pfarrer fühlen sie sich allerdings christlichen Grundsätzen mehr verpflichtet als dem Dienstgrad. Militärsuperintendent Trauner meint schmunzelnd: „Die Uniform gibt uns Seelsorgern die größtmögliche Freiheit unsere Aufgabe zu erfüllen und den Menschen nah zu sein. Gerade jetzt bei den Adventsfeiern kommen ich und andere Seelsorger schnell ins Gespräch. Man erkennt uns ja am „Kragenspiegel“. Da entwickeln sich schnell gute Gespräche ohne formale Belastungen. Wir werden einbezogen in private „Wehwehchen“, aber wir werden natürlich auch bei den „Dienstweg-Spannungen“ zu Rate gezogen, d.h. bei Ärger mit Vorgesetzten können wir gern vermitteln.“
Sein Amtskollege Militärgeneralvikar Ryzka, übrigens im selben Gebäude in der Wiener Mariahilferstrasse arbeitend, kann ergänzen: „Ich habe alle Militärpfarrer angewiesen auf das Zeigen des militärischen Ranges zu verzichten“ und humorvoll fügt er hinzu: „ich selbst würde mit militärischem Grüßen gar nicht fertig werden und das ist nicht mein Ziel. Ich habe schon viele Erwachsenen-Taufen und Firmungen gehalten und finde es gut, Menschen in ihren Lebenssituationen beizustehen und ihnen christliche Impulse für ihre weitere Lebensgestaltung zu geben. Insofern ist das eine bessere Situation als im zivilen Leben, wo manche nach der Firmung mit der Kirche erst mal Pause machen.“
Angesprochen auf die ökumenische und die überkonfessionelle Zusammenarbeit resümiert Militärsuperintendent Trauner: „Mit dem orthodoxen Geistlichen Vater Alexander Lapin habe ich schon viele gemeinsame Andachten gehalten. Er übernimmt immer gern den gesungenen Segen. Auch mit einem islamischen Geistlichen, der aus Bosnien stammt, verbindet mich eine gute Arbeitsfreundschaft.“ Es bleibt noch nachzutragen, dass die Betreuung jüdischer Soldaten durch örtliche zivile Rabbiner erfolgt.
In der Militärpfarre St. Johann Nepomuk setzt sich Gefreiter Matthias Lee an die Orgel und übt: „Am Sonntag spiele ich hier zum Gottesdienst, zu dem natürlich auch alle hier wohnenden Gemeindemitglieder eingeladen sind.“
Diensthund „Cola“ muss es sich inzwischen im Pfarrbüro gemütlich machen. Eigentlich habe er ja in Deutschland Abitur gemacht und sei dann zum Medizinstudium nach Wien gekommen. Dann habe ihn die Leidenschaft zur Musik erfasst und der Wechsel des Studiums war schnell vollzogen. Nachdem man ihm auch noch die österreichische Staatsbürgerschaft angeboten habe, sei der Grundwehrdienst auch kein Problem gewesen. Das liegt schon weit zurück, jetzt leistet er Reservedienst, damit die Pfarre besetzt ist. Das mache er gern, wie er ebenso gern schon Rettungsdienst gefahren sei oder ausländische Botschaften bewacht habe. Die Militärseelsorge sei für ihn dabei immer wichtig gewesen: „Wir hatten kürzlich eine schöne Adventsfeier. Ich freue mich immer über die traditionellen Lieder zum Advent, die auch die meisten Soldaten gut mitsingen können. Besonders die alten Lieder aus Kärnten sind sehr beliebt. Dazu begleite ich gern am Klavier. Der Feier voraus gehen die Adventskranzsegnungen, sehr schön.“
Also sagt der Gefreite Matthias Lee gemeinsam mit seinem Diensthund „Cola“: „Servus und eine gute Weihnachtszeit!“

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