29. März 2020
Weimar

Planungspfusch der Weimarer Wohnstätte GmbH in Zeiten des Corona-Virus

Stellen sie sich vor, Sie sitzen zu Hause und reduzieren ihren Ausgang auf das Nötigste, so wie es die jetzigen „Corona-Regelungen“ vorschreiben. „Da mach ich eben Home-Office oder Büro daheim“- denken Sie und tippen am Computer und telefonieren, denn irgendwann geht das normale Leben ja wieder los oder besser gesagt weiter. Das öffentliche Leben ist lahmgelegt und das berufliche auch. Man soll Verständnis haben und sich fügen.

So weit, so gut. Und während man so grübelt, was alles zu tun ist, wenn es mal weitergehen kann, da beginnt direkt neben an ein Betonbohrer seine Arbeit. Das ist wie ein Presslufthammer im eigenen Wohnzimmer. Dann denkt man immer noch, das kann ja nicht so lang dauern, denn die eigentliche Entkernung des Nebenhauses war ja schon vor über zwei Jahren. Seitdem gab es Dreck ohne Ende und der Balkon war unbenutzbar. Aber jetzt kann es sich nur um ein paar kleine Arbeiten handeln, das geht bald vorüber.

Dann folgen drei Tage, da beginnen die Betonbohrer 7:30 Uhr und die Arbeiten enden gegen 16:00 Uhr. Ruhe gibt es nur noch, wenn die Betonbohr-Arbeiter eine Pause machen. Endlich kommt das geräuschlose Wochenende, aber am Montag, den 23.3.2020 werden die Bohrarbeiten fortgesetzt. Wieder vibriert die Wand im Wohnzimmer von 7:30 Uhr bis 16:00 Uhr. Ich verstehe am Telefon kein Wort mehr und kann nur noch die Arbeitspausen des Bohrers nutzen.

Am Dienstag, den 24.3. frage ich beim Team der Weimarer Wohnstätte GmbH/ West nach, wie lange diese Betonbohrarbeiten noch gehen. Da wird mir mitgeteilt, dass dies gar kein Sanierungsobjekt ihrer Gesellschaft sei. Hoppla, denke ich, da gab es doch irgendwo ein Schild des Bauträgers. Das steht auch da und darauf ist zu lesen, dass die „Weimarer Wohnstätte GmbH“ hier saniert, gefördert von der KFW.

Hörbeispiel Bohrgeräusche:

Gut, dann rufe ich eben mal bei der Geschäftsleitung an, wann der Bohrterror vorbei sein soll. „Der zuständige Bauleiter arbeitet im Home-Office und wird sich bei ihnen melden“, sagt die Sekretärin. Dieser zuständige Bauleiter meldet sich dann auch telefonisch und ich sage: „Hören Sie diesen Krawall?“ Der Bauleiter antwortet: „Ja, ich höre eine Bohrmaschine.“ „Nein, antworte ich, das ist der Lärm von dem Betonbohrer aus ihrem Sanierungsobjekt Moskauer Straße 126, wann wird das aufhören?“ Kurze Pause. „Das dauert bis es fertig ist!“, meint der Bauleiter.

Nun wende ich mich schriftlich per Mail an die Geschäftsleitung der Weimarer Wohnstätte GmbH, denn ich will nur noch wissen, wann dieser Lärmterror ein Ende finden wird.

Einen Tag später stehen die Bohrarbeiter rauchend vor der Tür. Ich frage, was eigentlich gemacht wird. „Wir müssen nachträglich Türen aussägen, die vergessen worden sind“.

Jetzt wird die Fehlplanung der Weimarer Wohnstätte GmbH und ihres Architektenbüros offensichtlich, was schon vor zwei Jahren hätte geschehen müssen, wird schnell nachgeholt. Da ist es auch egal, ob zwölf Mietparteien unter dem Lärm von 90 bis 160 dB leiden müssen. Jetzt, da viele wegen der Corona-Krise zwangsweise zu Hause sein müssen.

Ein Hörgeräte-Hersteller gibt übrigens folgende Skala für Lärmschädigung an:

Ab 40 dB: Lern- und Konzentrationsstörungen möglich

Ab 60 dB: Hörschäden nach längerer Einwirkung möglich

Ab 65 dB: 20% erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei längerer Einwirkung

Ab 85 dB: Beschädigungsbereich, vor allem an lauten Arbeitsplätzen

Ab 120 dB: Hörschädigungen schon nach kurzer Einwirkung möglich“

Irgendwelche Warnhinweise gab es für die Mieter, wegen dieser speziellen Bohrarbeiten, nie!

Die Situationen in Zeiten der Corona-Pandemie fordert unsere Solidarität mit allen betroffenen Menschen. Man soll Rücksicht nehmen auf Menschen, die zu Hause sitzen müssen. Immerhin sind das zwölf Mietparteien.

Warum werden die Bewohner noch mit einer zusätzlichen Lärm-Belästigung konfrontiert?

Wann wird dieser Planungspfusch  ausgeglichen sein ?

Obwohl versprechrochen wurde, dass die Bauarbeiten drei Wochen ruhen sollen, gehen die Bohrarbeiten unvermindert weiter. Die Weimarer Wohnstätte GmbH kennt da auch in Corona-Ausgangsbeschränkungszeiten keine Gnade gegen die betroffenen Anwohner.

Am Ende bleibt die Hoffnung, dass der Bauträger nicht noch mehr Planungsfehler begangen hat, die schnell mal von einem Bohrkommando behoben werden sollen.  Irgendwann kann man hoffentlich die eigene Wohnung problemloser verlassen und sich damit vor einem Hörsturz retten. Diese Hoffnung will ich nicht aufgeben.

Auch interessant