Quizduell auf Weimars Straßen - meinanzeiger.de
6. Juni 2014
Weimar

Quizduell auf Weimars Straßen

Stadtführer Jürgen Bens führt junge Leute auf unkonvetionelle Weise durch die Stadt und hat nebenbei ein Buch über Irrtümer und ungewöhnliche Begebenheiten geschrieben


Simone Schulter


Zitat „Für mich ist es wichtiger, schöne Geschichten zu erzählen als ein Kostüm anzuziehen.“ Jürgen Bens, Stadtführer


Von Simone Schulter


Was soll aus einem werden, der als Kind ständig am Frauenplan herumschlich und Goethes Wohnhaus wohl so gut kannte wie das eigene Zimmer? Zuerst einmal Tischler! Doch irgendwann bricht sich die Liebe zur Heimatstadt ihre Bahn. So geschehen bei Jürgen Bens. Der Handwerker und spätere Holztechnologe war nach einer längeren Familienpause auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung, als die Volkshochschule einen Kurs für Stadtführer startete. (“Ich war der erste, der sich angemeldet hat“, erinnert sich Bens. Nach einen Eignungsgespräch stand fest, dass er die Ausbildung beginnen konnte.) Seit drei Jahren führt er jetzt Fremde durch Weimar, hat zwei eigene Angebote entwickelt. So bringt er Besuchern die Stadt, ihre Geschichte, aber vor allem Goethe und Schiller mit einer Anekdotensammlung näher. Speziell für Jugendliche hat er die „Tour der wahren Lügen“ konzipiert. „Ich erzähle kleine Geschichten“, erklärt Bens. „Und die Schüler müssen raten, ob sie wahr oder gelogen sind.“ Natürlich gibt es dabei Punkte und für den Sieger ein kleines Geschenk. Was bei Günther Jauch im Fernsehen und beim Quizduell auf dem Handy funktioniert, weckt auch das Interesse beim jungen Publikum auf Weimars Straßen und Gassen. „Früher habe ich mich immer geärgert, wenn Schüler nicht zugehört haben“, so Bens. Heute sind sie mit Eifer dabei, auch weil Hilfsmittel bei der Suche nach der richtigen Lösung erlaubt sind. Passanten befragen, mit dem Handy die Antwort im Internet suchen: Auf diese Weise bleiben sie bei der Sache. Während der Vorbereitungen auf seine nicht ganz alltäglichen Führungen hat Bens manch Wissenswertes zusammengetragen. „Viele merkwürdige Geschichten sind mir dabei begegnet“, berichtet der Stadtführer. Er hat Irrtümer in Goethes Werken entdeckt. So will Fausts Gretchen auf den Beichtstuhl, obwohl er erst 100 Jahre später eingeführt wurde. Sein Zechkumpan fordert in Auerbachs Keller Champagner. Auch er wurde zu jener Zeit, in der das Drama spielt, noch nicht gekeltert. Woran starb Schiller wirklich und wie wurde er beigesetzt? Auch darüber weiß Bens viele Details zu berichten, die so nicht in Schulbüchern stehen. Nun hat er alles in einem Buch zusammengefasst. „Der gekochte Goethe – Irrtümer und anderes unbekanntes Wissen“ heißt sein Erstlingswerk, das er in Eigenverlag herausgegeben hat. Eineinhalb Jahre hat er daran gearbeitet. Mittlerweile erfreut es sich bei den Touristen großer Beliebtheit. Deshalb ist es auch nicht ausgeschlossen, dass ein weiteres Buch folgend wird. Bis es soweit ist, zieht führt Jürgen Bens mit seinen Gäste vom Theaterplatz über die Schillerstraße bis zum Frauenplan. Auf Pfaden, die er von früher Jugend an kennt.

Auch interessant