12. April 2018
Weimar

Sonnengelber Einkaufsführer

Thüringer Ökoherz weist digital den Weg zu Bio-Produkten

Wer produziert Bio-Honig in Thüringen, wo kann man Bio-Kartoffeln kaufen? Wer das wissen möchte, kann sich fortan ganz komfortabel auf die Suche begeben. Ein paar Klicks genügen. Wie die Sache genau funktioniert, wer gefunden werden kann und wie es um die Bio-Brache in Thüringen bestellt ist, darüber gibt Claas Homeyer Auskunft. Er ist seit Jahresbeginn Geschäftsführer des Thüringer Ökoherz e.V.

Ihr Verein hat bereits einen Bio-Einkaufsführer herausgegeben? Was hat sich geändert?
Der Einkaufsführer erscheint in einem neuen Design. Er strahlt sonnengelb wie das Logo unserer Thüringer Bio-Branche und kann auf unterschiedlich genutzt werden. Wir weisen über eine Internetseite den Weg zu Erzeugern, Höfen, Hofläden, Direktvermarkter, Bio-Betrieben, und Verkaufsstellen. Daneben gibt es die Inhalte als App, die man mit Smartphone und Tablet gut bedienen kann.

Den Einkaufsführer soll es auch als App geben?
Ja,  kann man sie sich kostenlos aufs Smartphone laden. Es gibt Varianten für Android-Geräte, aber jetzt auch fürs iphone.

Kann man den Einkaufsführer auch ganz klassisch als Broschüre lesen?
Nein, diese Variante gibt es nicht mehr. Die letzte Broschüre erschien mit der Ausgabe 2013/2014. Ein solcher Einkaufsführer muss ständig aktualisiert werden. Das ist für die Druckform sehr aufwändig und kostspielig.

Damit werden aber Konsumenten ausgegrenzt, die weniger internetaffin sind.
Wenn Sie damit vor allem ältere Menschen meinen, haben Sie Recht. Aber diese kaufen vor allem im Wohnortnähe und kennen dort die Akteure und Bezugsquellen. Mit unserer Neuorientierung wollen wir eine neue, mobile Zielgruppe erreichen. Diese kann, egal wo sie sich gerade befindet, Bio-Anbieter in Thüringen finden.

Wie viele Anbieter haben Sie im Führer zusammengefasst?
Es sind etwa 100. Das ist guter Start. Nun soll der Einkaufsführer aber mit Leben gefüllt werden. Interessenten können sich jederzeit online anmelden. Wir prüfen dann den Eintrag und geben ihn frei.

Wie eng definieren Sie den Begriff Bio?
Bio ist nach der Öko-Verordnung der EU ist ein geschützter Begriff. Bio-Anbieter haben eine Zertifizierung durchlaufen. Dieser Prozess wird staatlich überprüft. In Thüringen ist dafür das Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft zuständig.

Nach welchen Kriterien kann der Verbraucher suchen?
Gesucht werden kann nach Erzeugern, die wieder nach Produzenten wie Bauern, Gärtner Winzer sowie Produkten wie Gemüse, Eier, Mich unterteilt sind. Weitere Suchkriterien sind Fleischereien, Käsereien, Bioläden. Der Suchradius ist variabel. Wird dieser weit genug gefasst, werden auch Anbieter aus Sachsen-Anhalt und Bayern genannt. Wochenmärkte sind ebenso zu finden.

Gibt es reine Bio-Märkte?
Nein, aber ein Wochenmarkt wird aufgenommen, wenn dort mindestens ein zertifizierter Bio-Stand zu finden ist. Dieser wird auch genannt.

Wie gut ist die Thüringer Biobranche aufgestellt?
Wir haben sehr aktive Menschen, die die Branche voranbringen. Woran es mangelt, ist eine gesunde Wertschöpfung im eigenen Land. Zu oft werden hier erzeugte Produkte in anderen Bundesländern oder in anderen Staaten weiterverarbeitet und dann wieder nach Thüringen transportiert. Bitte ergänzen: Wir arbeiten daran, noch mehr „echtes“ Thüringer Bio anzubieten.

Woran liegt das?
Im Osten konnte die Bio-Branche nicht organisch wachsen wie in alten Bundesländern infolge der Umweltbewegung in den 1970er- und 1980er-Jahren. Diese Lücke ist immer noch zu spüren.

Welchen Pluspunkt erkennen Sie in Thüringen?
Gerade der Obst- und Gemüseanbau ist über die Fläche gut verteilt. Dadurch ergeben sich kurze Wege für den Konsumenten, und er kann eine persönliche Nähe zum Erzeuger aufbauen.

Können Sie ein innovatives Bioprodukt empfehlen jenseits von Äpfeln, Kartoffeln und Käse?
Ja, die Zebu-Bratwurst. Mit ihr greift man ein Produkt auf, für das Thüringen bekannt ist. Zugleich wird das Fleisch einer alten Rinderrasse verwendet. Sie macht die bekannte Wurst zu einer Delikatesse.

Gib es weitere Pläne vom Thüringer Ökoherz?
Wir möchten den Bio-Einkaufsführer weiter ausbauen, vor allem in den Bereichen Gastronomie und Touristik. Wir wollen zudem unser Angebot für Unternehmen erweitern. Gaststätten und Cafés sollen zum Beispiel über uns passende Großhändler finden können.

Im Netz

www.bioeinkaufsfuehrer-thueringen.de

Zur Person

Claas Homeyer (32) ist seit dem 1. Januar Geschäftsführer des Vereins Thüringer Ökoherz. Er hat zuvor in einem Naturkostfachhandel in Leipzig gearbeitet.
Homeyer ist auf einem Bauernhof in der Nähe von Hannover groß geworden und studierte später Ökolandbau und Agrarwissenschaft.

Zur Sache

+ Der Thüringer Ökoherz e.V. ist Dachverband und Förderverein des Ökolandbaus in Thüringen.
+ Der Verein wurde 1991 gegründet und zählt derzeit rund 350 Mitglieder. Zu ihnen zählen neben Bio-Höfen und Privatpersonen auch Unternehmen und Anbauverbände.

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