25. Oktober 2021
Weimar

Spurensuche im Archiv: Was hat die Menschen in und um Weimar 1991 bewegt?

30 Jahre Allgemeiner Anzeiger

Das ist sie, die erste Ausgabe des Allgemeinen Anzeigers von Weimar / Apolda, die am 6. Februar 1991 erschienen ist. Foto: Ines Heyer

Unterwegs im Stadtarchiv

Wie gut, dass es Archive gibt. So bleibt Geschichte lebendig und kann von nachfolgenden Generationen noch einmal nachgelesen werden. Der erste Jahrgang des Allgemeinen Anzeigers Weimar / Apolda wird im Stadtarchiv Weimar aufbewahrt – gebunden in einem Buch. Erschienen im Jahr 1991 – eine Zeit des ­Umbruchs und der großen Veränderungen. Was hat die Menschen damals bewegt? Was waren die Themen, über die geschrieben wurde?

Planungen und „dicke Luft“

Das Durchblättern der Ausgaben von 1991 gleicht einer Zeitreise. Weimars ­damaliger OB Dr. Klaus Büttner bemühte sich zum Beispiel um eine schnelle Planung der Autobahnausfahrt Nohra – für eine akzeptable Verkehrsanbindung der Stadt. Auch Weimars „dicke Luft“ sagte er den Kampf an, die Heizungsanlagen sollten dringend umgerüstet werden. Und aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen soll einmal das Industriegebiet Weimar-Nord entstehen. Verbraucher erhalten mit der Eröffnung der Verbraucherberatungsstelle Weimar erstmals einen Ansprechpartner vor Ort für ihre Probleme.

Besondere Aktion

Mit der Aktion „Wer isses?“holte man Menschen der Region in die Zeitung. Passanten, Arbeiter oder Kinder wurden heimlich fotografiert. Wer sich auf dem Bild wiedererkannte, konnte sich dann in der Geschäftsstelle Weimar, am Goetheplatz 6, 30 Mark abholen.

Schöne Frauen

Schöne Frauen gehörten damals natürlich auch in die Zeitung. Die Miss-Wahl im „Le Baron“ stellte ausführlich ihre Bewerber vor. Der Titel ging dann an Juliane Triebel aus Jena. Bei der Wahl zur Rosenkönigin in Kranichfeld holte sich Anka Möller die Krone. Der erste Redakteur des AA Weimar, Andreas Grünwald, schrieb auch über Tina und Tanja – zwei Damen die sich dem ältesten Gewerbe der Welt, der Prostitution, verschrieben hatten.

Neue Straßennamen

Auch die Umbenennung der Straßen und Plätze war 1991 ein großes Thema. Stalinistische Namen sowie die von umstrittenen historischen Persönlichkeiten sollten aus dem Stadtbild verschwinden. Insgesamt 22 Straßen, drei Plätze und fünf Siedlungen / Viertel sollten einen neuen Namen bekommen. Heute erinnern sich ­sicherlich nur noch wenige, wo sich einst der Platz der DSF, der Friedrich-Engels-Ring oder die Ernst-Thälmann-Siedlung befanden.

Schließungen

Schließungen sind damals leider an der Tagesordnung. So wird die Tankstelle am Karl-Marx-Platz geschlossen, weil sie tröpfelt. Auch der Konsum in Ulla darf seine Türen nicht mehr öffnen. Weitaus größere Auswirkungen auf die ganze Region ­hatte die Schließung der T.A.O. Strickmoden Apolda. In der Begründung heißt es: „Der Betrieb ist den marktwirtschaftlichen Bedingungen nicht gewachsen.“

Der erste Geldautomat

Damals war es auch eine große Nachricht wert, dass am 24. April 1991 der erste Geldautomat in Apolda in Betrieb gestellt wurde. 400 Mark konnten pro Tag und Person abgehoben werden. Auch die Sammelbehälter für Altglas waren für die Menschen der Region neu, als sie im Juni 1991 in Weimar und im Landkreis Apolda aufgestellt wurden.

Keine Schulbücher

Für die Schüler der Käthe-Kollwitz-Schule Weimar gab es im September 1991 eine besondere Situation: Die ­alten Schulbücher wurden in den Müll getragen, neue gab es noch nicht.

Spannende Zeitreise

Es war eine spannende Zeit, in der viel passierte. Die Reise in die Vergangenheit zeigt, dass vieles, was heute selbstverständlich ist, seinen Anfang vor noch nicht allzu langer Zeit nahm.

Titelbild der Ausgabe vom 27. März 1991: Mit Schrubber und Staubtuch rückt man Goethe und Schiller zu Leibe. Doch der Dreck am Denkmal ist so verkrustet, dass noch Spezialisten zum ­Renovieren und Konservieren geholt werden müssen. (Foto: Ines Heyer)

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