Teil 1: Goetheschüler - meinanzeiger.de
20. September 2017
Weimar

Teil 1: Goetheschüler

Geschichten aus dem Museum für Ur- und Frühgeschichte in Weimar

Ich bin früher, in den 70er bis 80er Jahren, in die Weimarer Polytechnische Oberschule J. W. von Goethe in der Amalienstrasse gegangen.  Unmittelbar neben uns befand sich das Museum für Ur- und Frühgeschichte.
Wie viele meiner Mitschüler war ich ein begeisterter Anhänger dieses Museums.
Die ausgestellten Sachen und die Urmenschenfunde beflügelten meine Fantasie und wenn ich in diesem Museum war, fühlte ich mich in eine ganz andere Zeit versetzt.
Ich stellte mir vor, wie ich Faustkeile aus Feuerstein herstellte, auf Jagd ging oder mich vor kaltem Wetter, Schnee und Eis , mit meiner Horde in eine Höhle verkroch, um mich dort am Feuer zu wärmen.
So ähnlich wie ich, empfanden es auch meine Schulkameraden und so wurde es für uns zur regelmäßigen Tradition, diesem Museum mehrmals im Schuljahr einen Besuch abzustatten.
Fünfzig Pfennig Eintritt kostete es für uns Kinder damals und unsere Eltern gaben uns das Geld dafür gerne. 
Nach dem Unterricht sind wir die paar Meter zum Museum gerannt, jeder wollte der oder die Erste sein. Atemlos haben wir alle unsere Ranzen, die wir Schecke oder Betze nannten, unten ins Foyer geschmissen und sind dann in die Welt des Museums eingetaucht.
Wenn ich mich zurückerinnere, dann sehe ich den Riesenhaufen voller Schecken im Foyer heute noch liegen. Keinen hat das gestört. Ganz unkonventionell sind die Mitarbeiter des Museums damit umgegangen und haben sich gefreut, wenn wir so begeistert kamen. Man muss sicher lange suchen, bis man heute ein Museum findet, das so etwas toleriert aber damals war es so und für uns Kinder ganz normal.
Heute sage ich : „Meine Schulkameraden, das war meine Horde, das Museum meine Höhle und die Ranzen, das war das Feuer.“

Thomas K.,ehemaliger POS Goetheschüler, Weimar


Haben sie auch eine Geschichte, die mit dem Museum zusammenhängt und die erzählt werden soll? Dann setzen sie sich mit mir in Verbindung.

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