Die unblutige Revolution vor 100 Jahren - meinanzeiger.de
2. Oktober 2018
Zeulenroda-Triebes

Die unblutige Revolution vor 100 Jahren

Sonderschau im Unteren Schloss zu Greiz

Besucher der Ausstellung am Bildnis des sterbenden Soldaten von Bernhard Feistel.

Besucher der Ausstellung am Bildnis des sterbenden Soldaten von Bernhard Feistel.

„Die unblutige Revolution in Greiz“, so der Titel einer neuen Ausstellung im Unteren Schloss, fand vor 100 Jahren statt und markierte das Ende des Fürstentums Reuß älterer Linie, des damals kleinsten Bundesstaates im Deutschen Reich.

Als „höchst aktuell in den heutigen Zeiten politischer Umbrüche“ schätzt Museumsleiter Rainer Koch die am 30. September eröffnete Sonderschau ein. Diese thematisiert die revolutionären Ereignisse des Jahres 1918, als im gesamten Deutschen Reich die Monarchie zu Grabe getragen und damit eine ganze Ära besiegelt wurde.

In Greiz ging diese Umwälzung tatsächlich unblutig vonstatten: Nach einer Versammlung der neu gegründeten USPD in Grimms Lokal am 9. November 1918 formierte sich ein Demonstrationszug mit laut Augenzeugenberichten 2000 Menschen. Diese zogen zum Sitz des regierenden Fürsten auf das Obere Schloss, um dessen Abdankung zu verlangen. Die Forderung überbrachte der USPD-Landesvorsitzende Paul Kiß an Regierungspräsidenten von Meding – nicht ohne ihn zu bitten, einige beruhigende Worte an die Demonstranten im Schlosshof zu richten. Was von Meding auch tat, worauf sich die Menschen friedlich zurück zogen.

Die Rücktrittsforderung hat der Regierungspräsident wohl übermittelt, denn am Tag darauf erfolgte die Abdankung und am 11. November 1918 erklärte auf Schloss Osterstein zu Gera Fürst Heinrich XXVII. Jüngerer Linie Reuss in seiner Eigenschaft als Regent des Fürstentums Reuß älterer Linie für den nicht regierungsfähigen Fürsten Heinrich XXIV. Reuss Aelterer Linie den Thronverzicht und entband die Beamten und Geistlichen des Fürstentums von ihrem Treueeid. Die Fürstliche Landesregierung trat zurück, blieb aber noch einige Zeit unterstützend im Amt.

Aus dem Fürstentum Reuß älterer Linie wurde der Freistaat Reuß älterer Linie. Analog war dies auch in Reuß jüngerer Linie so geschehen. Beide Freistaaten vereinigten sich zum Volkstaat Reuß, der 1920 Bestandteil Thüringens wurde. 

Die aktuelle Sonderausstellung im Unteren Schloss widmet sich hauptsächlich den Ereignissen vor 100 Jahren in Greiz, das bis 1918 Landeshauptstadt des Freistaates Reuß älterer Linie war. „Zu Wort“ kommt neben den Protagonisten Kiß und von Meding auch Franz Feustel, der damals Landtagsmitglied war. 

Selbstverständlich werden in der Ausstellung die Ereignisse damals im Kontext der Auswirkungen des Krieges 1914 bis 1918 thematisiert. Der Besucher erfährt so unter anderem etwas über die Befehlsverweigerung auf der „SMS Thüringen“ vom 30. und 31. Oktober und dass der Erste Weltkrieg 15 Millionen Opfer forderte. Eine Fahne listet alle seitdem geführten Kriege auf und verweist darauf, dass auch heute noch zahlreiche Konflikte mit Waffengewalt ausgetragen werden. Womit einen traurigen Bezug zur Gegenwart hergestellt ist.

Die Ausstellung „Die unblutige Revolution in Greiz ist bis zum 17. März 2019 zu sehen.

Öffnungszeiten:
Das Museum im Unteren Schloss ist dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Sonderveranstaltungen zur Ausstellung:
06.11.2018 „Die Revolution rollt“, Ankunft der Revolution am Bahnhof Greiz
08.11.2018 „Die Revolution im Reußenland – Von der Monarchie zur Republik“, Vortrag von Thomas Frantzke, Leipzig

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