Greiz mit ganz starkem Heimsieg - meinanzeiger.de
7. Dezember 2019
Sport

Greiz mit ganz starkem Heimsieg

DRB-Ringer-Bundesliga

Im vorletzten Heimkampf der Vorrunde zur Deutschen Mannschaftsmeisterschaft empfing der RSV Rotation Greiz den alten Kontrahenten SV Siegfried Hallbergmoos. Nach zehn teilweise hochklassigen und spannenden Kämpfen konnten die Gastgeber die Begegnung mit am Ende recht souverän 21 : 10 für sich entscheiden.

Die Greizer behielten vor rund 800 zahlenden Zuschauern sechs mal die Oberhand, während die Rand-Münchener vier mal die Matte als Sieger verließen.

Hier in der Bildergalerie das Wettkampfprotokoll mit allen Wertungen und hier der ausführliche Bericht

von Erhard Schmelzer:

In einem Jahr kann sich im Sport viel verändern. Im Vorjahr stand der SV Siegfried Hallbergmoos nach elf Saisonkämpfen hinter dem deutschen Meister SV Wacker Burghausen auf Rang zwei der Staffel Südost der Bundesliga. Der damalige Dritte, der Greizer Ringerverein, geriet trotz einer hervorragend gestalteten Vorrunde in der Nähe des Münchener Flughafens mit 10:22 unter die Räder. Die Oberbayern siegten auch am ersten Dezember in Greiz mit 15:13. Den Bayern gelang damit die Revanche für das Ausscheiden im Viertelfinale der Endrunde um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft 2002.

Ein Jahr später sieht alles ganz anders aus, obwohl die Greizer nach elf Runden immer noch Dritter sind. Die Staffel hat ein anderes Gesicht. Die beiden schlagbaren Gegner WKG Pausa/Plauen und Westendorf kämpfen eine Liga tiefer. Durch die Einordnung des deutschen Vizemeisters Heilbronn und des sehr starken Neulings ASV Schorndorf hat die Staffel, die seit drei Jahren vom deutschen Meister Burghausen angeführt wird, ein viel höheres Niveau erreicht. Im Windschatten dieser Giganten, die auch die Favoritenstellung bei der Endrunde, die bereits Weihnachten beginnt, einnehmen, belegt der RSV Rotation Greiz wiederum den dritten Platz. Hallbergmoos ist allerdings auf den sechsten Platz abgerutscht. Seit einiger Zeit gibt es Gerüchte, dass die Oberbayern in der nächsten Saison in der dann eingleisigen starken bayerischen Oberliga, der zweithöchsten deutschen Liga, die in Ostdeutschland der Regionalliga Mitteldeutschland entspricht, kämpfen wollen. Vereinschef Michael Prill, der im Vorkampf noch selbst in der 75 kg-Klasse aktiv war und das glückliche 16:16 seines Vereins gegen Greiz sicherte, verlautbarte: „Eine Entscheidung fällt erst im Januar 2020.“ Nun die Messen scheinen schon gelesen zu sein. Zeitgleich mit der ersten Mannschaft der Hallbergmooser trat die zweite Vertretung zu Hause gegen den Lokalrivalen Freising an und siegte mit 40:0. Im Hallbergmooser Team standen neben Prill auch die in Greiz erwarteten Spitzenringer Anders Rönningen (57 kg/EM-Fünfter 2019 aus Norwegen) und Ivan Zamfirov (61 kg/EM-Dritter 2017 aus Moldawien). Hallbergmoos II sicherte sich damit Rang drei in der Oberliga Süd und der Verein hat nun in der eingleisigen bayerischen Oberliga 2020 einen Platz sicher.

Dem Kampf in Greiz tat dies keinen Abbruch, wenn man vom ersten Kampf absieht, als der Georgier Zurab Matcharashvili (57 kg/g) auf den klar unterlegenen Jugendlichen Levi Ketterer traf. Der Kampf wurde bereits in der ersten Minute entschieden, als der georgische Vizemeister, der Mitte der Woche in Batumi um den Landesmeistertitel kämpfen wird, seinen Gegner durch Rollen am Boden mit 16:0 bezwang hatte. (Mannschaftsstand 4:0)

Magomedgadji Nurov (130 kg/f) kann gegen den Ungarn Richard Csercsics nicht gewinnen. Bereits im Vorjahr war dem Gästeringer eine Viererwertung zum 5:3 Sieg gelungen. Diesmal griff der Dagestaner nach seinem 0:1 Rückstand nach einer 30-Sekunden-Strafe beherzter an, doch der zehn Kilogramm schwerere Modellathlet wehrte alle Beinangriffe souverän ab. Kurz vor der Pause gelang mit dem vielleicht fünften Beinangriff die 2:1 Führung. Als der Greizer in der fünften Minute 4:2 in Führung ging, schien er den Bock umgestoßen zu haben. Doch der ehemalige ungarische Auswahlringer, der noch immer topfit ist, ging jetzt voll in die Offensive. Nach einem Beinangriff erwischte er den Greizer an der Hüfte und wieder gelang eine Viererwertung zum 6:4 Erfolg. (4:1)

Rasul Galamatov (61 kg/f) traf auf das Hallbergmooser Eigengewächs Thomas Kopp. Zur Pause stand es nach ausgeglichenen Kampfverlauf 3:3. Aber in der zweiten Hälfte änderte sich das Bild völlig. Der 28-jährige Bayer, der bei zahlreichen deutschen Meisterschaften jeweils die Medaillenplätze knapp verfehlte, gewann klar die Oberhand, drängte den elf Jahre jüngeren Gegner von der Matte oder punktete mit Beherrschungen am Boden fast nach Belieben. Nach 5:22 Minuten stand es 3:18. (4:5)

Thomas Leffler (98 kg/g) hingegen demonstrierte wiederum auch eine Gewichtsklasse höher gegen einen international erfahrenen Gegner seine Kampfkraft und Einstellung. Der Litauer Vilius Laurinaitis ist seit 2015 die Nummer eins seines Landes und kann sich so zielgerichtet auf die internationalen Höhepunkte vorbereiten. Die angeordnete Bodenrunde beendete der Greizer in der ersten Runde durch die Abgabe einer Rolle mit 0:3. Die einzige Wertung im Standkampf gelang dem Litauer durch ein Drängen aus der Kampffläche. Bei der zweiten Bodenrunde gelang es allerdings dem Litauer, der 2012 immerhin Juniorenweltmeister war, seinen Gegner vom Boden auszuheben und über den Kopf zu werfen. Mario Schmidt aus Torgelow, einer der erfahrensten und routiniertesten Kampfrichter Deutschlands, bewertete diese Aktion mit vier Punkten, so dass der tapfer kämpfende Greizer am Ende beim 0:9 doch noch drei Mannschaftspunkte abgab. (4:8)

Auch Dawid Karecinski (66 kg/g) kämpft eine hervorragende Saison, was schon mehrere Spitzenringer feststellen mussten. Der Jugendliche Yannick Ketterer war allerdings kein echter Maßstab. Kaum war der Gegner zu Boden gebracht, gelangen dem Greizer in kurzer Folge drei Würfe, von denen der Kampfrichter zwei mit der Höchstnote „Fünf“ bewertete. Schon nach 38 Sekunden stand der 16:0 Sieg des Polen fest. (8:8)

Nach der Pause wurde es allerdings spannend. Martin Obst (86 kg/g), amtierender deutscher Meister in der 79 kg-Klasse, traf auf den Bronzemedaillengewinner Andreas Walter. Beide agierten abwartend. „Kein Risiko“, hieß die Devise. Der Greizer investierte aber mehr, führte zur Pause durch eine 30-Sekunden-Strafe seines Gegners mit 1:0. Der aus dem nahen Unterföhring nach Hallbergmoos gekommene ehemalige Nachwuchsauswahlringer bekam das Bein des Greizers erstmals nach vier Minuten zu fassen. Nach der zweiten Strafe gegen ihn hieß es 2:0. Einen Angriff des Greizers konnte er sich nur durch ein Foul entziehen; 3:0 für Obst. (10:8)

Der deutsche Vizemeister der Junioren Joel Wrensch (71 kg/f) wurde seiner Favoritenrolle gegen den zwei Jahre älteren Andreas Walbrun, der in dieser Altersklasse auch schon den vierten Platz belegt hatte, gerecht. Gestützt auf seine größere Physis dominierte der Greizer im Bodenkampf eindeutig. Mit Rollen und vor allem Aufreißern hatte er bereits in der ersten Minute mit 15:0 gewonnen. (14:8)

Mateusz Wolny (80 kg/g) traf auf Guido Gretschel, der im Vorjahr noch eine Gewichtsklasse tiefer kämpfte, nun aber volles Gewicht brachte. Der Pole dominierte zu Beginn eindeutig. Bereits der erste angeordnete Bodenkampf nach einem Armdehschwung (2:0) brachte ihn mit zwei Rollen nach zwei Minuten 7:0 in Front. Nach vier Minuten stand es 11:0. Wer jetzt allerdings glaubte, dass es nun bald 15:0 stehen würde, sah sich getäuscht. Mateusz Wolny weilte die Woche über im Trainingslager der polnischen Nationalmannschaft und baute nun zusehends ab. Der Hallbergmooser kam so durch einen Armdrehschwung und eine Verwarnung noch zur Resultatsverbesserung von 11:3. (17:8)

Auch Igor Besleaga (75 kg/g), der seine erste Saison für Greiz ringt, hat schon mehrere Spitzenringer bezwungen. Der 19-Jährige Niklas Jung war da kein echter Prüfstein. Sowohl physisch als auch technisch überlegen kam der Moldawier nach Rollen und Würfen bereits in der zweiten Minute zum 15:0 Sieg. (21:8)

Der letzte Kampf sollte es noch einmal in sich haben. Daniel Sartakov (75 kg/f) stand dem deutschen Vizemeister in der 79 kg-Klasse, Ergün Aydin, gegenüber. Beide sind sehr schnelle Kämpfer, die immer für eine Überraschung gut sind. Kurz vor Ablauf seiner 30-Sekunden-Strafe kam der Hallbergmooser zur 2:0 Führung. Der Greizer hingegen kam bei seiner Strafe nicht zum Punkten (0:3). In der letzten Minute setzte der Greizer noch einmal alles auf eine Karte, versuchte einen Beinangriff, wurde aber gekontert (0:5) und kam nur noch zu einer Einserwertung. Durch die 1:5 Niederlage kam Hallbergmoos noch zur Resultatsverbesserung von 10:21. 

Die einzelnen Kämpfe:
57kg Greco: Zurab Matcharashvili N (5), RSV Rotation Greiz gegen Levi Ketterer J (-2), SV Hallbergmoos 4:0/TÜ/16:0/00:47
61kg Freistil: Rasul Galamatov JN4 (-2), RSV Rotation Greiz gegen Thomas Kopp (-2), SV Hallbergmoos 0:4/TÜ/3:18/05:22
66kg Greco: Dawid Karecinski EU (5), RSV Rotation Greiz gegen Yannick Ketterer J (-2), SV Hallbergmoos 4:0/TÜ/16:0/00:38
71kg Freistil: Joel Wrensch (1), RSV Rotation Greiz gegen Andreas Walbrun (-2), SV Hallbergmoos 4:0/TÜ/15:0/00:57
75Akg Greco: Igor Besleaga EU (5), RSV Rotation Greiz gegen Niklas Jung (-2), SV Hallbergmoos 4:0/TÜ/15:0/01:33
75B Freistil: Daniel Sartakov (1), RSV Rotation Greiz gegen Ergün Aydin (-2), SV Hallbergmoos 0:2/PS/1:5/06:00
80kg Greco: Mateusz Wolny (2), RSV Rotation Greiz gegen Guido Gretschel (1), SV Hallbergmoos 3:0/PS/11:3/06:00
86kg Freistil: Martin Obst (3), RSV Rotation Greiz gegen Andreas Walter (2), SV Hallbergmoos 2:0/PS/3:0/06:00
98kg Greco: Thomas Leffler (1), RSV Rotation Greiz gegen Vilius Laurtinaitis EU (5), SV Hallbergmoos 0:3/PS/0:9/06:00
130kg Freistil: Magomedgadji Nurov EU (5), RSV Rotation Greiz gegen Richard Csercsics EU (5), SV Hallbergmoos 0:1/PS/4:6/06:00

Durch ein 12:12 im Sonntagskampf beim Verfolger ASV Schorndorf bleiben die Greizer weiterhin auf den wichtigen dritten Tabellenplatz.

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