Heiratsantrag auf dem Siegertreppchen - meinanzeiger.de
17. Juli 2018
Zeulenroda-Triebes

Heiratsantrag auf dem Siegertreppchen

Die Deutschen Boogie-Woogie-Meister tanzen auf den MDR-Sommernachtsbällen

Jojo Hien und Kerstin Engel tanzen Boogie-Woogie in Perfektion.

Jojo Hien und Kerstin Engel tanzen Boogie-Woogie in Perfektion.

Am 14. Juli war der rauschende Auftakt der MDR Thüringen-Sommernachtsball-Saison 2018 in Eisenach. Nächste Station ist am 21. Juli Greiz. Hier wie auch bei den Sommernachtsbällen in Bad Tennstedt und Zella Mehlis können sich die Besucher auf Showtänze der amtierenden Deutschen Boogie-Woogie-Meister Jojo Hien und Kerstin Engel aus dem bayrischen Schwandorf freuen. Ich sprach mit dem Tanzpaar:

Wie kam es zu dem Engagement für die Sommernachtsbälle in Thüringen?
Jojo Hien: Wir konnten voriges Jahr am 11. November die Deutsche Meisterschaft in der Hauptklasse Boogie-Woogie gewinnen. Auf dem Podest machte ich Kerstin einen Heiratsantrag. Durch diesen Antrag und den Gewinn der Deutschen Meisterschaft wurde unter anderen der Bayerische Rundfunk auf uns aufmerksam. Auch der MDR und dabei insbesondere Mathias Kaiser hatten von dem Gewinn erfahren und fragten an, ob wir uns vorstellen könnten, auf den Sommernachtsbällen den Boogie-Woogie als Showact präsentieren zu können.

Worauf können sich die Ballbesucher bei Ihren Auftritten freuen?
Die Besucher können sich auf die wohl schnellste Tanzart der Welt freuen. Im Turniersport werden mehr als 200 Schritte pro Minute getanzt. Von getanzter Lebensfreude über Akrobatik und Freude an der Musik ist für jeden etwas dabei. Wir versuchen, die Ballbesucher in die Welt und Musik der 50er und 60er Jahre von Singin‘ in the Rain über Grease bis hin zu den Beach Boys zu entführen.

Also gibt es für die Shows eine extra Choreografie?

Für die Shows bei den Sommernachtsbällen haben Kerstin und ich eine eigene Choreographie entworfen, die von uns zum ersten Mal in Eisenach getanzt wurde. Boogie-Woogie ist ein spontaner Tanz. Choreographien sind im Turniersport nicht zu finden. Begibt man sich auf den Turniertanzboden, so wählt der DJ aus etwa 500 Songs einen beliebigen Titel aus. Die Aufgabe der Tänzer ist es, die Musik spontan mit vorher erarbeiteten Figuren und Bewegungen zu vertanzen. Ein Tanz auf Turnierebene zu ein und demselben Lied sieht meist komplett verschieden aus.

Wie lange haben Sie dafür geprobt?

Von dem Engagement haben wir kurz vor Weihnachten 2017 erfahren. Dann hieß es für uns, erste Ideen zu entwickeln und die Choreographie zur passenden Musik zu schaffen. Die ersten Proben zur Show liefen Anfang 2018. Im Laufe der Erstellung kam es immer wieder zu kleineren (und größeren) Anpassungen und neuen Ideen.

Seit wann tanzen Sie zusammen?

Kerstin und ich haben uns 2009 entschlossen, einen Boogie-Woogie Grundkurs zu absolvieren. Bis 2011 waren wir „normale“ Vereinsmitglieder bei den Boogie-Babies Bruck/Bodenwöhr. Unsere Trainer Michael und Petra Gleixner, die uns bis heute trainieren, fragten uns im Jahr 2011, ob wir in das Boogie-Woogie-Turniergeschehen eintreten wollen. Das war der Beginn unserer Tanzkarriere. Schon kurz danach, im Jahr 2013, wurden wir vom damaligen Bundestrainer in das Nationalteam berufen und sind seitdem durchgehend im Kader.

Welche Erfolge haben Sie bisher erreicht?
Aktuell sind wir amtierende Deutsche und Bayerische Meister. Wir liegen in der Hauptklasse Boogie-Woogie auf Platz 1 der deutschen Rangliste und gehören zu den Top 15 der Weltrangliste.

Ist das Tanzen ein Fulltime-Job für Sie, wie oft trainieren Sie?
Leider kann man Boogie-Woogie aus finanzieller Sicht in Deutschland nicht als Fulltime-Job ausführen. Kerstin befindet sich derzeit im Architekturstudium und ich bin in den letzten Zügen des Referendariats für das Lehramt an Gymnasien mit den Fächern Mathematik und Physik. Ich arbeite unter der Woche etwa 100 Kilometer von Kerstin entfernt, was die Trainingssituation sehr erschwert. Dennoch versuchen wir, so oft es geht, zum Beispiel an Wochenenden zu trainieren. Im Moment stehen wir meist drei- bis viermal die Woche für zwei bis drei Stunden in der Halle.

Wie unterscheidet sich der Boogie-Woogie vom Rock’n’Roll-Tanz?
Boogie-Woogie ist der einzig mir bekannte Tanz, bei dem auf Turnierebene spontan auf die Musik reagiert wird. Bei Rock’n’Roll-Turnieren werden einzig und allein vorgefertigte Choreographien getanzt. Beim Boogie-Woogie werden grundsätzlich keine großen Akrobatiken wie Doppelsalti oder Schrauben wie beim Rock’n’Roll getanzt. Nichts desto trotz gibt es nahezu keine Beschränkungen der Tanzfiguren während einer Runde. Man kann beim Boogie-Woogie seiner Kreativität freien Lauf lassen. Im Social-Dance-Bereich bietet Boogie-Woogie ebenso die Möglichkeit, spontan auf Musik aller Art zu tanzen. Es muss nicht immer nur Bill Haley oder Elvis Presley sein. Boogie-Woogie zeichnet sich dadurch aus, dass man Grundfiguren oder Bewegungen miteinander leicht kombinieren kann und somit schnell neue eigene Figuren kreiert werden können.

Kann eigentlich jeder Boogie-Woogie tanzen lernen?
Boogie-Woogie ist ein Tanzsport für jede Altersklasse! Vom Kindesalter bis ins hohe Alter ist für jeden etwas dabei. Die Freude an der Musik, an der Bewegung und an der Spontanität macht einen sehr großen Teil des Boogie-Woogie aus. Dabei kommt es nicht darauf an, wie alt man ist oder in welcher körperlichen Verfassung man ist.

Tanzen Sie auch privat zusammen?
Da wir seit 2009 nicht nur ein Tanzpaar sind, nimmt der Boogie-Woogie einen Großteil unseres Privatlebens mit ein. Wenn andere Paare abends einen Film sehen, stehen wir meistens in der Halle und arbeiten an neuen Figuren oder unserer Technik. Wenn wir nicht für uns selbst trainieren, sind wir auch in ganz Deutschland unterwegs und versuchen, unser Wissen an Boogie-Woogie-Freunde weiterzugeben. Anderen Tänzen sind wir sehr aufgeschlossen, jedoch beherrschen wir diese leider nicht auf unserem Boogie-Woogie-Niveau.

Welchen Tipp geben Sie Tanzmuffeln?
Tanzen bedeutet für uns Lebensfreude, Spaß an der Bewegung und der Gemeinsamkeit. Klar muss man den inneren Schweinehund überwinden und sich einfach trauen. Es geht dabei nur sekundär darum, wie andere den eigenen Tanz sehen.

MDR-Thüringen-Sommernachtsbälle 2018

  • 14. Juli: Eisenach, Markt 
  • 21. Juli: Greiz, Schlossgarten 
  • 28. Juli: Bad Tennstedt, Markt  
  • 4. August: Zella-Mehlis, Karl-Liebknecht-Platz 
  • 11. August: Geisa, Ulsteraue (ohne Hien & Engel) 

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