Künste und Sport, kein Kampf - Selbstverteidigung - meinanzeiger.de
15. Januar 2020
Zeulenroda-Triebes

Künste und Sport, kein Kampf

Beim Hirschberger Karate-Dojo-Verein legt man besonderen Wert auf ­Kampfkunst und Selbstverteidigung verbunden mit modernen Techniken

Ronald Schricker (Mitte) lehrt ­Karate. Foto: ZehHirschberg/Saale e.V. zeigen Karate.

Von Simone Zeh

„Das höchste Ziel im Karate-Do ist nicht der Sieg oder die Niederlage, sondern die Perfektion des menschlichen Charakters.“ Unter diesem Leitsatz von ­Funakoshi Gichin ist der Verein ­Karate-­Dojo Hirschberg / ­Saale e.V. aktiv, den ­Ronald Schricker im November 1993 gegründet hat. Eigentlich gibt es das Zentrum für ­Shôtôkan-­Karate, ­Kampfkünste & Breitensport in Hirschberg schon seit 1988. Über die Armee war der Hirschberger zum militärischen ­Nahkampf gekommen. Nach der Wende erwarb Schricker zahlreiche ­Qualifikationen. Heute ist er Trainer und Prüfer für Shôtôkan-­Karate-Do, ­Gjogsul / GGCS, militärischen ­Nahkampf, SaCO-SV und Breitensport für Kinder.

Verein ­Karate-­Dojo Hirschberg / ­Saale e.V.

„Wir sind 60 Mitglieder im Verein, das jüngste ist sieben Jahre, das älteste 68 Jahre alt“, erzählt Ronald Schricker. Trainiert wird regelmäßig in der Schulturnhalle Hirschberg. Die Mitglieder kommen aus Hirschberg, Gefell, Tanna, aber auch Jena, weil das Training so speziell ist. „Auch in Ostsachsen, in ­Löbau, gebe ich Training“, sagt Schricker. Karate wird im Verein nach der traditionellen ­Stilrichtung Shôtôkan-Ryu trainiert. ­Besonderer Wert legt man auf die Tradition der ­Kampfkunst und die ­traditionelle ­Selbstverteidigung, ­verbunden mit modernen Techniken. „Wir lehren, wie man sich wehren kann, aber auch, dass ­Gewalt die ­letzte Möglichkeit ist“, so der ­Cheftrainer des Vereins. „Es ist Kampfkunst, kein Kampf.“ Und diese lebt er.

Aufrechter Körpergang und Selbstbewusstsein zeigen

Wie man gar nicht erst Opfer eines Angriffes wird, um sich selbst verteidigen zu müssen, dafür hat ­Ronald Schricker Tipps, denn „Opfer werden gesucht und ­gefunden.“ Wichtig sei ein aufrechter Körpergang, das zeigt Selbstbewusstsein, sowie laut und fest zu ­sprechen. „Notwehr ist nicht ­rechtswidrig.“ Allerdings ist man verpflichtet, wenn man in Notwehr gehandelt hat und der Angreifer danach ärztliche Hilfe braucht, einen Notruf abzusetzen. Selbst soll man sich nicht in Gefahr bringen.
Seit Kurzem wird das German-Gjogsul-Combat-­System offiziell in Hirschberg trainiert. Ronald Schricker bietet dienstags und freitags einen Einsteigerkurs an – auch für Unerfahrene. Durch sorgfältige und individuelle Einweisung sei ein Einstieg jederzeit möglich. Dabei ist es egal, ob man jung oder alt, männlich oder weiblich ist. Und: Ein Probetraining ist möglich. „Das tue ich ehrenamtlich, angestellt bin ich im Deutsch-Deutschen ­Museum“, sagt der ­Hirschberger.

Zuerst den Schmerz wegnehmen

Kürzlich gab Ronald ­Schricker 21 Mädchen und Jungen aus der ­Gemeinschaftsschule Tanna, die nächstes Jahr Jugendweihe feiern wollen, einen ­Crashkurs in Selbstverteidigung. Er zeigte zum Beispiel, wie man reagiert, wenn jemand bei einem Angriff in die Haare greift. Schricker erklärte, dass es als erstes wichtig sei, den Schmerz ­wegzunehmen. In ­Zweierteams probierten sie diese und ­weitere Techniken zur ­Selbstverteidigung aus, wobei ihnen der ­Vereinsvorsitzende Tipps gab oder helfend ­eingriff.

Tipps zur Selbstverteidigung

  • Aufrechte Körperhaltung beim Gehen suggeriert Selbstbewusstsein.
  • Doppelter Einsatz von Stimme und Körper durch lautstarkes Sprechen und deutliches Agieren.
  • Notwehr ist nicht rechtswidrig. Wenn Angreifer dabei verletzt wird, Rettungsdienst anrufen.

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